In der Landtagsfraktion überschlugen sich gestern die Ereignisse - der monatelange Machtkampf der Lager um den neuen Vorsitzenden Junghanns und seinen nur knapp gescheiterten Kontrahenten erfuhr eine Neuauflage, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Ein indirektes Opfer wurde Fraktionschef Thomas Lunacek selbst, der zwischen den Lagern laviert hatte und nur knapp mit zwölf Ja- gegen acht Nein-Stimmen im Amt bestätigt wurde. Lunacek hatte am Montag überraschend bekannt gegeben, dass er entgegen früheren Ankündigungen doch nicht die bisherige Parlamentarische Geschäftsführerin Saskia Funck wieder vorschlagen werde, die Petke-Anhängerin und Kreischefin in Potsdam-Mittelmark ist. Seine neue Kandidatin, die Kreisvorsitzende aus Oberspreewald-Lausitz, Roswitha Schier, wurde mit 15 gegen fünf Stimmen gewählt.

Nur fünf Stimmen für Richstein
Dem Petke-Lager werden in der 20-köpfigen Fraktion fünf Stimmen zugerechnet. Zu Lunaceks Stellvertretern wurden der Potsdamer Kreischef Wieland Niekisch und der stellvertretende Vorsitzende der CDU Elbe-Elster, Wilfried Schrey, gewählt. Die bisherige Vizefraktionsvorsitzende und frühere Justizministerin Barbara Richstein, eine Petke-Anhängerin, fiel mit nur fünf Ja-Stimmen durch. Das neue Führungs-Quartett besteht ausschließlich aus Junghanns-Anhängern.
Bei den Arbeitskreisen traf es den Bildungspolitiker Ingo Senftleben, ebenfalls ein Petke-Mann, der entgegen früheren Absprachen nicht zum Vorsitzenden des Bildungsarbeitskreises gewählt wurde. Bei all diesen Posten geht es nicht nur um Einfluss, sondern auch um zusätzliches Salär: So erhält ein Parlamentarischer Geschäftsführer zusätzlich zur Abgeordneten-Diät 2828 Euro, ein stellvertretender Fraktionschef 1523 Euro und ein Arbeitskreisleiter 783 Euro. Petke kritisierte, dass mit Funck, Richstein und Senftleben die "Sympathie- und Leistungsträger" der Fraktion, die zudem 2004 Direktmandate geholt hätten, abgestraft worden seien. Er warf Junghanns vor, sein Gewicht als Parteichef und Vizeregierungschef nicht in die Waagschale geworfen und die nach dem Parteitag vereinbarte Gemeinsamkeit gebrochen zu haben.
Dagegen verwiesen Lunacek und Junghanns darauf, dass bei der Wahl der Fraktionssprecherposten weitgehend alles beim Alten geblieben sei, und Petke selbst mit einem guten Ergebnis zum Vorsitzenden des Innenarbeitskreises wiedergewählt wurde. Der Kommentar von Ex-Parteichef Jörg Schönbohm zu den Turbulenzen in der Fraktion: "So wie man in den Wald hereinruft, so schallt es heraus."

Keine Indiskretionen
Auch sonst dreht sich das Personalkarussell in der CDU weiter. Der wiedergewählte Fraktionschef Thomas Lunacek bestätigte, dass er sich von seinem Büroleiter Heiko Homburg trennen werde, der ebenfalls als „Petke-Anhänger“ gilt. Es laufe auf einen Aufhebungsvertrag hinaus, der aber noch nicht vollzogen sei. Von einer Kündigung Homburgs war entgegen einem entstandenen Eindruck nicht die Rede. Als Gründe für die Trennung führte Lunacek allein das Verhältnis zwischen ihm und Homburg an, ohne nähere Einzelheiten zu nennen. Ausdrücklich trat Lunacek jedoch Spekulationen in der CDU über angebliche Indiskretionen Homburgs entgegen, über die die RUNDSCHAU ebenfalls am 5. März berichtet hatte: „Das ist nicht der Fall“ , betonte Lunacek.