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| 20:53 Uhr

Erneute Attacke auf RUNDSCHAU-Redaktion

Erneut ist die RUNDSCHAU-Redaktion in Spremberg mit Naziparolen beschmiert worden. Die Kriminalpolizei ermittelt.
Erneut ist die RUNDSCHAU-Redaktion in Spremberg mit Naziparolen beschmiert worden. Die Kriminalpolizei ermittelt. FOTO: René Wappler
Spremberg. Vier Hakenkreuze auf Tür und Fenstern, rechtsgerichtete Parolen und eine klare Drohung: Die Spremberger Lokalredaktion der LAUSITZER RUNDSCHAU in der Innenstadt ist in der Nacht zum Freitag erneut von Unbekannten angegriffen worden. Gegen acht Uhr morgens ist die Redaktion von der Polizei über den Vorfall informiert worden. Sascha Klein

Seit den frühen Morgenstunden ermittelt nun der Brandenburger Staatsschutz wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen und des Verdachts der Volksverhetzung.

Neben der RUNDSCHAU-Redaktion sind nach Polizeiangaben auch drei Werbetafeln zur Landtagswahl am Spremberger Busbahnhof beschädigt worden. Auf ein Plakat der CDU wurden ein volksverhetzender Spruch und ein Davidstern geschmiert, teilt die Polizei mit.

Der Angriff auf den Redaktionssitz der LAUSITZER RUNDSCHAU in Spremberg geschah nur wenige Tage nach einem RUNDSCHAU-Bericht über einen Prozess am Cottbuser Amtsgericht. Dort wird einem Mann vorgeworfen, an einem Überfall mehrerer Personen auf einen Spremberger Jugendclub im Jahr 2012 beteiligt gewesen zu sein. Der Angeklagte bestreitet den Vorwurf. Die Polizei war nach Aussagen eines Polizisten durch einen anonymen Hinweis auf den Verdächtigen aufmerksam geworden. Die Polizei habe im Zuge der Ermittlungen unter anderem einen Baseballschläger, eine Reichskriegsflagge und andere typische rechtsextreme Symbole bei dem Mann gefunden, sagte ein Polizist am vergangenen Dienstag vor Gericht aus.

RUNDSCHAU-Chefredakteur Johannes M. Fischer verurteilte die Tat: "Der Überfall hat offenkundig mit unserer Berichterstattung über einen Prozess gegen gewalttätige Neonazis zu tun. Es bleibt dabei: Einschüchterung funktioniert bei uns nicht. Wer uns schlagen will, trifft sich selbst."

Dieser Angriff auf die Spremberger RUNDSCHAU-Redaktion ist nicht die erste Reaktion auf mehrere kritische Beiträge der LAUSITZER RUNDSCHAU über das rechtsextreme Milieu in Spremberg: Im Mai 2012 hatten Unbekannte die Redaktion mit Sprüchen wie "Lügenpresse halt die Fresse" beschmiert und blutige Tiereingeweide an die Redaktionstür gehängt.

Nicht nur gegen Medien, auch gegen Parteien gehen Sympathisanten der rechten Szene in Spremberg vor. Erst kürzlich war ein Spremberger vom Landgericht Cottbus wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte im Jahr 2011 auf einer rechtsextremen Internetseite dazu aufgerufen, drei SPD-Mitglieder aus Spremberg öffentlich anzuspucken.

Weshalb auch CDU-Plakate in Spremberg zerstört und beschmiert worden sind, ist noch unklar. Erst kürzlich hatte sich der Spremberger Bundestagsabgeordnete und Ex-Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) zum Prozess anlässlich des Überfalls auf den Spremberger Jugendclub im Jahr 2012 geäußert. Dabei hatte er die Landesregierung für die seiner Meinung nach "ungenügenden Personalausstattung bei Polizei und Justiz" kritisiert. Falls das Gericht den Angeklagten verurteilt, käme dies zwei Jahre nach der Tat viel zu spät, so Schulze. Zerstört worden sind unter anderem Plakate des CDU-Landtagskandidaten Raik Nowka. "Wenn die Schmierereien in Zusammenhang mit der durch Dr. Schulze veröffentlichten Pressemitteilung stehen, zeigt diese Reaktion erneut den absoluten Unwillen der Täter, sich dem rechtsstaatlichen Handeln zu unterwerfen", so Nowka gegenüber der RUNDSCHAU.