Die Beschuldigten sollen frühere Mitglieder oder Unterstützer der SSS gewesen sein. Die Organisation wurde in vorangegangenen Prozessen bereits als kriminelle Vereinigung eingestuft. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten ferner gefährliche Körperverletzungen, schweren Landfriedensbruch und Volksverhetzung vor. Unter ihnen ist auch ein Beschuldigter, der sich zugleich vor Gericht in Pirna wegen eines Brandangriffs auf eine Roma- und Sinti-Familie verantworten muss.
Den gestrigen Prozesstag begann die Verteidigung mit zwei Befangenheitsanträgen gegen einen Richter sowie mit Hinweisen auf mögliche Verfahrensfehler. Der Vorsitzende Richter Rainer Lips wies die Anträge jedoch als unbegründet zurück. Erst am Nachmittag konnten dann die umfangreichen Anklageschriften verlesen werden.
Ohnehin wird in der nunmehr dritten Staffel der SSS-Prozesse mit einem monatelangen Verfahren gerechnet, da sich die Angeklagten bisher nicht eingelassen haben. Allein bis Ende März sollen 16 Zeugen gehört werden.
In früheren Prozessen hatten sich dagegen die bislang 17 Verurteilten noch geständig gezeigt und waren dafür nach einer Verfahrensabsprache mit Haftstrafen von wenigen Monaten bis zu zwei Jahren auf Bewährung davongekommen.
Eine strittige Nebenklage hatte das Oberlandesgericht erst kurz vor Prozessbeginn noch zugelassen. Der Anwalt konnte jedoch nicht mehr rechtzeitig informiert werden. Er sei über diese mangelnde Information „ungehalten“ , sagte Lips.
Die SSS hatte Ende der 90er-Jahre mit brutalen Überfällen auf Ausländer, Drogenabhängige und Andersdenkende versucht, die ostsächsische Region von „Zecken“ und „Kiffern“ , so der Szenejargon, zu „säubern“ . Ihr werden etwa 150 Anhänger zugerechnet. 2001 wurde die Organisation vom sächsischen Innenministerium verboten.
Die Gruppe Skinheads Sächsische Schweiz ist dabei seit Jahrzehnten eine der ersten Neonazi-Gruppierungen bundesweit, die auch als kriminelle Vereinigung verurteilt wird. Die sächsischen Urteile würden mittlerweile auch in Strafverfahren in anderen Bundesländern Wirkung zeigen, sagt Oberstaatsanwalt Jürgen Schär.