In einem offenen Brief warf er dem Minister vor, dass seine Haltung für die Demokratiearbeit ein „schwerer Rückschlag“ sei und das Vertrauen in der Zusammenarbeit mit dem Freistaat zerstöre. Bilz reagierte mit seiner harschen Kritik auf ein Interview Ulbigs mit der evangelischen Wochenzeitung „Der Sonntag“. Dort verteidigte der Innenminister vergangene Woche die zwangsweise Abgabe der Erklärung. Sie sei „das mindeste, was verlangt werden kann, wenn es bei den Projekten um die Stärkung der Demokratie gehen soll“, sagte er. Ulbig untermauere mit diesen Äußerungen den Eindruck eines „Generalverdachts“ gegenüber den Initiativen, betonte Bilz. Der Freistaat verlangt von staatlich geförderten Demokratieprojekten oder Anti-Rechts-Initiativen eine schriftliche Treuebekundung zur demokratischen Grundordnung. Die Unterschrift ist Voraussetzung für die Förderung. Das Land will verhindern, dass aus seiner Sicht linksextreme Gruppen eine Förderung erhalten.

Aus Protest gegen die Erklärung gab das Landesjugendpfarramt vor knapp zwei Wochen den Verzicht auf weitere Förderung aus dem Programm „Weltoffenes Sachsen“ bekannt. Er frage sich, ob es überhaupt schon Fälle von missbräuchlicher Verwendung von Fördergeldern gegeben habe, so Bilz. Offenbar sei bei der Staatsregierung in Vergessenheit geraten, „wie es um einen Staat bestellt ist, der seine Legitimation durch erzwungene Bekenntnisse zu gewinnen versucht“.