Die im Flüchtlingslager Bureidsch eingerückten Soldaten hätten mehrere "bewaffnete Terroristen" getötet, sagte der israelische Befehlshaber im Rundfunk. Am Morgen startete die Armee zudem eine groß angelegte Aktion in Nablus im Westjordanland.
Armeeangaben zufolge rückten in der Nacht Infanterie- und Pioniereinheiten von Panzern und Kampfhubschraubern begleitet in Bureidsch ein, das als Hort der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas gilt. Nach palästinensischen Krankenhausangaben waren die getöteten Palästinenser teilweise bewaffnet. Fünf von ihnen seien zwischen 17 und 24 Jahren alt gewesen. 35 Menschen seien teils schwer verletzt worden. In einer Armee-Erklärung hieß es, auf die Soldaten sei mit leichten Gewehren geschossen worden, zudem seien dutzende Granaten abgefeuert worden. Zwei Soldaten seien durch Granatsplitter leicht verletzt worden, als die Truppen auf "heftigen Widerstand" stießen, sagte der zuständige Befehlshaber dem staatlichen Rundfunk.

Häuser gesprengt
Nach Angaben aus Militärkreisen nahm die Armee bei ihrem Einmarsch einen ranghohen Führer des bewaffneten Arms der Hamas fest, der Essedin-el-Kassam-Brigaden. Auch fünf Söhne von Mohammed Taha seien festgenommen worden. Im Haus der Familie hätten Soldaten unter anderem einen Sprengstoffgürtel und bedeutende Mengen Sprengstoff gefunden. Das Gebäude wurde ebenso wie drei weitere Häuser gesprengt, die Mitgliedern der Hamas und des Islamischen Dschihad gehört haben sollen.
In Nablus im Westjordanland bezogen am Morgen etwa zwanzig Panzerfahrzeuge und zahlreiche Militärgeländewagen Stellung an den Zugängen zur Altstadt. Eine Ausgangssperre wurde verhängt. Nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte wurden zwei Palästinenser durch Schüsse israelischer Soldaten verletzt. Mehrere Gebäude wurden durchsucht. In Dschenin zerstörte die Armee nach eigenen Angaben zwei Häuser eines mutmaßlichen Extremisten.
Der palästinensische Kommunalminister Sajeb Erekat warf Israel vor, die bevorstehenden Sitzungen des PLO-Zentralrats und des Palästinenserparlaments verhindern zu wollen. Mit den Militäreinsätzen in den Flüchtlingslagern Bureidsch und Chan Junis sollten die für Samstag angesetzten Treffen torpediert werden, bei denen ein Ministerpräsident eingesetzt werden soll, sagte Erekat. Nach Angaben des palästinensischen Arbeitsministers Ghassan el Chatib hat Israel die Abhaltung der Sitzungen bislang nicht genehmigt. Informationsminister Jassir Abed Rabbo sagte, die "Eskalation der Gewalt" solle die Palästinenser daran hindern, ihre Reformen umzusetzen.
In der südisraelischen Stadt Sderot schlugen gestern drei Kassam-Raketen ein, die laut der israelischen Polizei vom Norden des Gazastreifens aus abgefeuert worden waren. Niemand sei verletzt worden. Die Kassam-Raketen werden von den Essedin-el-Kassam-Brigaden produziert.
Seit Beginn der zweiten Intifada im September 2000 wurden insgesamt 3012 Menschen getötet, davon 2261 Palästinenser und 695 Israelis. (AFP/roe)