Der 52-jährige Taxifahrer, der sich wochenlang an Michael (Name geändert) vergangen haben soll, sitzt noch immer in der Justizvollzugsanstalt Cottbus in Untersuchungshaft. Er bestreitet nach Auskunft von Oberstaatsanwältin Petra Hertwig noch immer die ihm vorgeworfenen Sexualstraftaten an dem geistig Behinderten.

Der Minderjährige war am letzten Juni-Sonntag verschwunden und vier Wochen später in einem Versteck in der Wohnung des Taxifahrers gefunden worden. Monate vorher hatte sich der Mann mit dem Jungen angefreundet. Der geschiedene Mann lebte zusammen mit seiner 13-jährigen Tochter in der Nähe der elterlichen Wohnung von Michael.

Als dessen Eltern durch die Intensität dieses Kontaktes misstrauisch wurden und ihrem Sohn den Umgang verboten, versteckte sich Michael bei dem Mann. Dem wird neben dem Missbrauch deshalb auch Kindesentziehung vorgeworfen. Dreimal war er während der Suche nach Michael durch die Polizei vernommen worden. Erst als die mit einem Durchsuchungsbefehl für seine Wohnung anrückte, fand sie den Jungen in einem Versteck hinter einem Schrank.

Der geschiedene Taxifahrer ist nach Auskunft von Oberstaatsanwältin Petra Hertwig inzwischen von einem Gutachter auf seine Schuldfähigkeit untersucht worden. Das Ergebnis der Prüfung liegt der Ermittlungsbehörde seit Freitag vor.

Auch Michael wurde inzwischen zu den Geschehnissen in der Wohnung durch einen Richter befragt. Bei diesem Gespräch, das auf Video aufgezeichnet wurde, war neben anderen Personen auch ein Psychologe anwesend. Die Aufzeichnung einer richterlichen Vernehmung kann in einem Strafprozess als Beweismittel eingeführt werden. Opfern von sexuellem Missbrauch, vor allem wenn sie durch ihr junges Alter oder wie bei Michael durch eine Behinderung besonders schutzbedürftig sind, wird dadurch erspart, vor Gericht als Zeuge aussagen zu müssen.

Damit stehen, so Hertwig, das Ermittlungsverfahren wegen der Kindesentziehung und des mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs von Martin sowie auch die Ermittlungen zu mehreren sexuellen Übergriffen auf einen inzwischen 19-Jährigen vor dem Abschluss. Ihn soll der 52-Jährige im Jahr 2012 mehrmals vergewaltigt haben. Der Mann hatte sich der Polizei offenbart, als er im Zusammenhang mit der Suche nach Michael befragt wurde.

Abgetrennt von diesem Verfahren hat die Cottbuser Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Taxifahrer wegen möglicher weiterer sexueller Übergriffe auf drei inzwischen erwachsene junge Männer.

Diese Taten, so Hertwig, würden jetzt einzeln genau geprüft. Möglicherweise könnten diese Taten aber inzwischen schon verjährt sein.

Michael lebt wieder bei seinen Eltern in Lübbenau.