Nach einem mutmaßlichen Brandanschlag auf ein noch unbewohntes Haus für Flüchtlinge in Meißen laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. „Es gibt noch eine Vielzahl von Fragen zu klären“, sagte eine Sprecherin des Operativen Abwehrzentrums der Polizei (OAZ) der Deutschen Presse-Agentur. So müssten die verschiedenen Gutachten ausgewertet und zudem analysiert werden, woraus der Brandbeschleuniger bestanden habe. Auch weitere Zeugen sollen am Montag vernommen werden. Wann erste Ergebnisse vorliegen, sei derzeit aber noch unklar, hieß es.

Unbekannte hatten in der Nacht zum Sonntag Feuer in dem vierstöckigen Mehrfamilienhaus gelegt, das demnächst bis zu 35 Flüchtlinge beherbergen sollte. Das OAZ geht von Brandstiftung aus. Den Angaben zufolge wurde an zwei Stellen Feuer mit Hilfe eines Brandbeschleunigers gelegt, das jedoch nur in der ersten Etage ausbrach. Verletzt wurde niemand, das Gebäude war unbewohnt.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sprach am Sonntag bei einem Besuch vor Ort von einem „feigen Brandanschlag“. Man werde alles dafür tun, dass die Verantwortlichen gefasst würden, sagte Tillich. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verurteilte das Geschehen: „Ich toleriere keine Form von Gewalt oder Hass.“

Unklar ist, ob mutmaßliche Rechtsextreme mit dem Brand zu tun haben, die sich nach eigenen Angaben am Abend zuvor in Meißen versammelt hatten. Die „Initiative Heimatschutz“, die im Internet Stimmung gegen Flüchtlinge macht, hatte für Samstagabend zu einer „spontanen Zusammenkunft“ in der Domstadt aufgerufen. Ermittelt werde „intensiv in alle Richtungen“, so das OAZ. Auf Facebook distanzierte sich die Initiative „von jeglichen Brandstiftungen“.

Laut Landratsamt Meißen sollten in dem Mehrfamilienhaus sechs bis sieben Wohnungen für bis zu 35 Flüchtlinge eingerichtet werden. Die erwarteten Asylbewerber müssten nun in anderen Gebäuden untergebracht werden, hieß es. Wann die Asylbewerber in Meißen eintreffen sollten, stand noch nicht fest.

Bereits seit Tagen macht Sachsen Schlagzeilen, weil im etwa 30 Kilometer entfernten Freital allabendlich einige Dutzend Menschen mit teils rassistischen Parolen gegen ein Flüchtlingsheim protestieren. In den vergangenen Monaten waren in Deutschland schon mehrfach Asylunterkünfte in Brand gesteckt worden. In Tröglitz in Sachsen-Anhalt zerstörte ein Feuer eine Unterkunft, bevor die Bewohner dort einziehen konnten. Zuvor hatte es dort massive Proteste gegen die Unterbringung von Flüchtlingen gegeben. Auch in Vorra (Bayern) und Limburgerhof (Rheinland-Pfalz) wurden Feuer gelegt.