Da war er noch völlig ahnungslos. Zu diesem Zeitpunkt stand aber schon fest, dass der Immunitätsausschuss des Parlaments beschlossen hatte, die Immunität des Baden-Württembergers aufzuheben. Aus schwerwiegendem Grund: Der SPD-Medienexperte ist wegen des Verdachts der Kinderpornografie ins Visier der Staatsanwaltschaft Karlsruhe geraten.Im Immunitätsausschuss kam man nach einem ausführlichen Bericht der zuständigen Staatsanwaltschaft offenbar zu der Auffassung, dass die Vorwürfe ernst zu nehmen seien und Schaden vom Parlament als Ganzes abgewendet werden müsse. Von dem Gremium weiß man jedenfalls, dass es sehr verantwortlich mit seinen Möglichkeiten und Befugnissen umgeht und überaus verschwiegen agiert. Die Aufhebung von Tauss' Immunität war notwendig, um Durchsuchungen und Beschlagnahmungen durch die Behörden zu ermöglichen. Direkt im Anschluss der Entscheidung begannen dann auch Kontrollen in Tauss' Privaträumen. Beamte des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg und Berlin überprüften überdies die Abgeordnetenbüros des 55-Jährigen. Tauss selbst betonte gestern, er könne den Verdacht "nicht nachvollziehen". Er "warte mit Gelassenheit ab". Da er sich seit Jahren politisch mit der Szene beschäftige, könne es sich unter Umständen um eine "Revanchehandlung" handeln. "Ich bin unschuldig", teilte er noch mit. Die zuständige Karlsruher Staatsanwaltschaft bestätigte die Ermittlungen gegen den 55-Jährigen. Es gebe einen Anfangsverdacht, wonach "strafrechtlich relevantes Bildmaterial vorhanden sein könnte", erklärte ein Sprecher. Es könne bei den Ermittlungen aber auch herauskommen, dass der Parlamentarier "komplett unschuldig" sei. Dem Vernehmen nach geht es um das Empfangen von MMS-Fotos und -Filmen per Handy und einer DVD, die Tauss aus Bremerhaven erhalten haben soll. Später am Abend hieß es dann seitens der Staatsanwaltschaft, in Berlin sei "einschlägiges Material" gefunden worden. Dies bedeute aber nicht, dass Tauss damit überführt sei. Der Politiker habe das Material mit seiner Tätigkeit als Abgeordneter erklärt, berichtete die Nachrichtenagentur dpa.Die SPD-Bundestagsfraktion teilte auf Anfrage mit, man wolle erst einmal abwarten, bevor man den Vorgang bewerte. Der Vorsitzende der SPD-Landesgruppe Baden-Württemberg im Parlament, Christian Lange, zeigte sich "erschüttert" über die Vorwürfe. "Für uns alle gilt die Unschuldsvermutung. Der Sachverhalt muss in unser aller Interesse aufgeklärt werden", betonte er. Tauss ist seit 2005 Generalsekretär der SPD Baden-Württemberg und seit 2008 Mitglied im SPD-Fraktionsvorstand.