Die vom Kulturausschuss des Parlaments geladenen Fachleute waren sich einige darin, dass das Papier eine gute Grundlage darstellt für richtungsweisendes Handeln und begrüßten auch die Offenheit, mit der die Diskussion darüber in Brandenburg geführt wird. Der Text von über 100 Seiten versucht auch eine möglichst vollständige Auflistung und skizzenhafte Beschreibung der Orte im Land, an denen die Schrecken der beiden Diktaturen nachvollzogen werden können. Er hat im Internet schon zu lebhaften Reaktionen geführt - auf den Seiten des Ministeriums sind inzwischen 68 Beiträge dazu veröffentlicht - auch die in ihrer großen Überzahl vor allem mit Lob und Dank. Kritische Anmerkungen bezogen sich in der Anhörung zumeist auf Details oder thematisierten die möglichen Schwierigkeiten, die sich ergeben könnten, wenn Brandenburg sich tatsächlich verpflichten würde, nach den aufgelisteten Grundsätzen zu handeln. Deutlich wurde dies insbesondere im Beitrag eines Kommunalpolitiker, des Stadtverordneten Thomas Reichel (SPD) aus Brandenburg/Havel. Der erinnerte daran, dass ein gutes Konzept allein für eine wirkliche Verbesserung vor Ort nicht ausreiche, sondern dafür dann auch die notwendigen finanziellen Ressourcen und qualifiziertes Personal bereit stehen müsse.Die Stadt Brandenburg gilt als einer der wichtigsten Erinnerungsorte auch weit über die Landesgrenzen hinaus. In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur begannen dort die Versuche, die zum Mord durch Kohlenmonoxid-Vergiftung an behinderten Menschen führten und von denen über 10 000 in der Stadt an der Havel starben. Zur gleichen Zeit wurden in dem dortigen Gefängnis über 2700 Gegner des Regimes hingerichtet. In der Haftanstalt saßen dann in der DDR mehr politische Gefangene ein, als irgendwo sonst im Osten Deutschlands. Derzeit erinnert noch kaum etwas an diese Vergangenheit des Ortes, der dann auch dem Land seinen Namen gab. Brandenburg ist aber auch eines der vielen Beispiele für eigenständige, private Initiativen vor Ort. Denn eine Gruppe versucht seit einiger Zeit die Identität der dort in der Nazi-Zeit Hingerichteten zu ermitteln um diesen Männern ein Gesicht zu geben und ihre Geschichte wenigstens bruchstückhaft nachzuzeichnen. Solch ehrenamtliches Bemühen um Aufklärung bildet an vielen Orten des Landes die Basis der Erinnerung und wird in dem Entwurf auch als wesentlicher teil der Bemühungen um geschichtliche Aufarbeitung beschrieben. Die Frage nach den Möglichkeiten, die Wankas Ministerium in Zukunft bei der Umsetzung der beschriebenen Vorstellungen haben könnte, ist derzeit noch offen. Denn der Entwurf enthält noch nicht den Teil, der dann beispielsweise die dafür notwendigen Geldmittel benennt und der naturgemäß auch vom Finanzministerium akzeptiert werden muss. Die Abgeordneten im Kulturausschuss jedenfalls wird sie als Mitstreiter an ihrer Seite wissen.