In einer rhetorisch verbesserungsfähigen Rede hatte sich der Jüterboger dafür ausgesprochen, den ländlichen Raum und den Metropolenraum Berlin zusammenzubringen. So sollte der Landesvorstand der SPD auch einmal in der Provinz tagen. "Die Bürgerinnen und Bürger interessiert der Kita-Platz für Klein-Oskar mehr als die Kreisgebietsreform", sagte Stohn vor den Delegierten. Für den jungen Abgeordneten, der zuvor Landesvorsitzender der Jusos war, und 2014 erstmals in den Potsdamer Landtag eingezogen ist, ist die Wahl ein wichtiger Karrieresprung. Stohn gilt als ehrgeizig, als jemand, der auch schon einmal mit dem Kopf durch die Wand will – etwa im Bundestagswahlkampf, als er versuchte, im später von Dietlind Tiemann (CDU) gewonnen Bundestagswahlkreis 60, der Brandenburg an der Havel, aber eben auch Jüterbog und weite Teile des Landkreises Potsdam Mittelmark umfasst, gegen Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg (SPD) anzutreten.

Vor den Delegierten berichtete Stohn zudem davon, dass er mit einer "wichtigen, privaten Angelegenheit" beschäftigt gewesen sei, als ihn Dietmar Woidke anrief und fragte, ob er zur Kandidatur bereit sei: "Der Auswahl der Farbe der Hochzeitseinladungen." Dabei habe sein Telefon geklingelt, ohne dass eine Nummer angezeigt werde. Er dachte, es sei die Oma - "ich kenne keinen anderen, bei dem die Rufnummer nicht angezeigt wird." Stohn ging ans Telefon: "Oma, was hältst Du von lindgrün?" Doch am anderen Ende war der Ministerpräsident, der ihn fragte, ob er Generalsekretär werden wollte. Welche Farbe die Einladungen nun haben, und was Woidke von "lindgrün" hielt, ist indes nicht überliefert.