Seit 28 Jahren kommt die Drogistin regelmäßig für eine Woche ins Kloster Alexanderdorf, etwa 40 Kilometer südlich der Hauptstadt. "Zum Lesen, Spazierengehen und einfach nur mal still sein." Ob Manager, allein erziehende Mutter oder gestresste Studentin bei den Benediktinerinnen von St. Gertrud können sie in Kursen oder ganz individuell "wieder ein Stück weit zu sich selbst finden", wie es Schwester Johanna beschreibt. "So zu sagen eine Ruhepause im Getriebe."
Die Entspannung beginnt schon auf dem Weg dorthin: Keine Ampeln, keine hupenden Autos, keine Menschenmassen. Stattdessen schlängelt sich die kleine Straße durch die Landschaft, vorbei an Kuhwiesen und Bauerhöfen, durch kleine Dörfer und einen Wald. Etwas abseits der Straße, hinter einer Mauer liegt der alte Gutshof, in dem sich 1934 die ersten Schwestern des Benediktiner-Ordens niedergelassen hatten. Sie wollten aus dem Trubel Berlins in die Ruhe, sich dort ganz dem Arbeiten und Beten und zwar täglich zu gleichen Teilen - widmen.
"Die Teilnahme an den Gottesdiensten ist für unsere Gäste nicht verpflichtend, wir möchten niemanden zu etwas nötigen, was ihm nicht entspricht", sagt Schwester Beata. Auch die zweifache Mutter Agnes Hille (28) ist nicht unbedingt zum Beten nach Alexanderdorf gekommen: "Ich habe mich hierher zurückgezogen, um endlich meine Magisterarbeit zu schreiben." Jährlich bieten die knapp 30 Schwestern in dem Kloster aber auch zahlreiche Veranstaltungen von "Besinnungstagen" über "Meditation des Tanzes" bis hin zu "Bibeltagen" an. Auch Männer sind zu einigen Angeboten gerne gesehen.
Unter dem Motto "Suchen und Finden" können Frauen zwischen 18 und 35 Jahren zudem im Sommer für eine Woche tiefer ins Klosterleben eintauchen. "Die Reaktionen auf unsere Angebote sind überaus positiv. Zu bemerken ist aber auch, dass Einzelgespräche immer stärker gefragt sind", sagt Schwester Beata. Zugleich betont sie: "Wir nehmen unsere seelsorgerische Arbeit sehr ernst, aber eine Therapiestätte für psychisch Kranke können wir nicht sein." Jährlich zählt das Kloster rund 4500 Übernachtungen, etwa 20 Gästezimmer stehen zur Verfügung. "Unsere Kapazitäten sind nur selten erschöpft, wir würden uns schon über mehr Gäste freuen", meint Schwester Johanna.