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Erfüllter Kinderwunsch nach schwieriger Diagnose

Emma im Glück
Emma im Glück FOTO: Cornelia Krüger
Lübben/Königs Wusterhausen. Endometriose – eine Krankheit, die behandelbar ist. Das Klinikum Dahme-Spreewald verhalf einer jungen Familie zum größten Glück. Ungewollte Kinderlosigkeit kann verschiedene Gründe haben. Bei 30 000 bis 40 000 Frauen jährlich ist eine Endometriose die Ursache. Dies ist eine zwar gutartige, aber schmerzhafte Erkrankung. Ragnhild Münch / * Namen geändert

Zellen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) wachsen innerhalb und außerhalb der Gebärmuttermuskulatur, zum Beispiel an den Eierstöcken, an Eileitern oder sogar anderen Stellen im Bauchraum. Wo ein Abbluten nicht möglich ist, werden die Verwachsungen immer größer, entzünden sich und brechen auf.

Diese Gewebeerkrankung wird oft erst spät diagnostiziert, viele Frauen glauben, dass sie keine Kinder bekommen können. Auf die Diagnose und Behandlung von Endometriose ist Dr. Rüdiger Müller spezialisiert, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Dahme-Spreewald. Dort hat er ein zertifiziertes Zen trum für Diagnostik und Therapie der Endometriose etabliert. "Je früher die Krankheit erkannt wird, desto Erfolg versprechender kann sie behandelt werden", erklärt Dr. Müller. Seine Abteilung ist das einzige Ausbildungszentrum im Land Brandenburg.

"Ich hatte immer unerträgliche Schmerzen während der Men struation", blickt Anja Meier* aus dem Spreewald auf ihre Leidensgeschichte zurück. "Als wir dann an die Familienplanung dachten und das nicht geklappt hat, waren wir erstmal ratlos." Deshalb sprach sie mit ihrer Gynäkologin über die extremen Schmerzen.

Sie empfahl ihr Dr. Müller. "Es ist ein Riesenglück, dass es so jemanden hier in Brandenburg gibt", findet die 25-Jährige. "Endometriose hatte ich noch nie gehört. Dann habe ich im Internet geschaut, und Dr. Müller hat mir ganz genau erklärt, was das ist und was er für mich tun kann. Bis dahin waren mein Partner und ich eigentlich nur noch deprimiert, weil sich inzwischen fast jedes Gespräch nur noch um den Kinderwunsch drehte." Mit einer diagnostischen Bauchspiegelung (Laparoskopie) stellen er und sein Team fest, wo sich im Körper Endometrium angesiedelt hat und ob es Verwachsungen gibt. Dann entfernen sie mit modernster Technologie minimal-invasiv die Endometriose-Herde und Verwachsungen. So gibt es nur ganz kleine Narben.

Diese Methode ist sogar bei schwersten Formen möglich. Durch die Entfernung der Endometrioseherde und meist anschließende hormonelle Behandlung kann die Fruchtbarkeit verbessert werden. Bei Anja Meier war manches anders und ging unerwartet schnell. Im Frühjahr 2015 wusste sie die Diagnose, im August war die Operation, im September fuhr sie für drei Wochen zu einer Kur nach Bad Schmiedeberg. Dort lernte sie ein Mitglied der Endometriose-Selbsthilfe kennen und gehört seither zur Gruppe in Südbrandenburg. "Wir treffen uns einmal im Monat, meist sind wir fünf oder sechs mit Frau Schulz, der Leiterin."

Der jungen Frau war klar, dass es für eine Schwangerschaft vermutlich weitere Hilfe brauchte. Sie setzte Hoffnungen auf eine Hormontherapie oder auch eine künstliche Befruchtung. Also nahm sie Kontakt zu einer Berliner Kinderwunsch-Spezialistin auf, die eng mit Dr. Müller zusammenarbeitet. "Kurz bevor wir morgens losgefahren sind, habe ich noch einen Test gemacht und war total überrascht, dass der positiv war. Wir sind dann sehr glücklich und gut gelaunt nach Berlin gefahren." Dem jungen Paar war gelungen, was keineswegs selbstverständlich ist: Anja war auf natürlichem Weg schwanger geworden. Zwischen der Diagnose und der Schwangerschaft verging nur ein Jahr. Auch dies ist eher selten.

"Die schönsten Erfolge sind auch für uns Schwangerschaften, die nach der Behandlung auf natürlichem Weg entstehen. Inzwischen haben wir einige Patientinnen, denen es so gelungen ist", berichtet Dr. Müller. "Wir freuen uns über die glücklichen Eltern ebenso wie über die gesunden Kinder", blickt er zufrieden auf die Erfolge seiner Patientinnen. Sein Zen trum wurde bei der letzten Begutachtung als "exzellent geführt" bewertet. Die Gutachter hoben hervor, dass sich Dr. Müller "die Zeit nimmt, die die Patientin benötigt. Die Patientinnen profitieren vom hohen Ausbildungsniveau der Ärzte und Mitarbeiter sowie einem großen Engagement von Dr. Müller", so das Zertifikat.

Anfang August 2016 war es bei Anja soweit und sie kam ins Achenbach-Krankenhaus, um ihr erstes Kind auf die Welt zu bringen. "Wir waren so glücklich, als wir unsere Tochter zum ersten Mal in den Armen hielten", erinnert sich die Mutter der jetzt sieben Monate alten Emma. Sie entwickelt sich prächtig, finden ihre Eltern. Ein Geschwisterkind wollen sie nicht ausschließen. "Dafür ist es aber noch zu früh, Emma ist ja noch ganz klein", lächelt sie.