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Erfolge bei der Zucht von seltenen Großtrappen

Die Zahl der Großtrappen in Brandenburg steigt. Heute werden 15 Jungtiere ausgewildert.
Die Zahl der Großtrappen in Brandenburg steigt. Heute werden 15 Jungtiere ausgewildert. FOTO: Foto:ZB
Zu Gesicht bekommt man sie fast nie. Doch zwei fünf Kilometer lange Erdwälle entlang der ICE-Schnellbahnstrecke zwischen Berlin und Hannover weisen auf die 76 Großtrappen im brandenburgischen Naturschutzgebiet Havelländer Luch hin. Von Dorothee Stacke

Nach einem „unglaublichen Erfolg“ in der Zucht werden 15 Jungtiere des mit bis zu 22 Kilogramm schwersten flugfähigen Vogels Europas am heutigen Dienstag vom Landesumweltamt ausgewildert.
Mit einem Aufwand von rund 15 Millionen Euro zu ihrem Erhalt wurde die unter EU-Schutz stehende Trappe der wohl teuerste Vogel Deutschlands. 1939 gab es in Brandenburg noch 3400 Großtrappen, 1996 noch 55 frei lebende Tiere. Europaweit seien die Bestände dramatisch zurückgegangen, weltweit werden nur noch etwa 30 000 Exemplare gezählt.

Neue Schutzstrategie
Dank einer neuen Strategie zum Schutz der Vögel gibt es laut Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes, in diesem Jahr mit insgesamt 27 auszuwildernden Jungtrappen und fast 20 weiteren Jungvögeln den größten Schub im Bestand der letzten Jahrzehnte. Dabei hatten Fachleute das Aussterben der Trappen in Deutschland bereits für unvermeidlich gehalten. „Selbst Experten haben diesen Erfolg im Artenschutz kaum für möglich gehalten“ , sagt Matthias Freude.
Wie kurzhalsige Schwäne sehen die Trappen aus, das Gefieder ähnelt Rebhühnern. Die trägen Vögel können über ein Meter groß werden, was sie empfindlich für die elektrischen Oberleitungen macht. Und das war auch der Grund, warum es wegen des Vogels über Jahre hinweg Verhandlungen zwischen Naturschützern und der Bahn beim Ausbau der rund 2,5 Milliarden Euro teuren Strecke Berlin-Hannover gab. Anfang 1995 war der Weg schließlich grundsätzlich frei. Die Bahn akzeptierte einen umfassenden Forderungskatalog, unter anderem den Bau der bis zu sieben Meter hohen Schutzwälle an einem Trassenstück.
Die Überlebensaussichten für den „Märkischen Strauß“ wurden aber auch noch durch weitere Maßnahmen verbessert: Ein Freiland-Schutzzaun wurde errichtet, die künstliche Aufzucht der Großtrappen wurde begonnen sowie die Zusammenarbeit mit Landwirten gesucht.1996 hatte es noch einen Einbruch im Bestand gegeben. Da die Halme beim Saatgras in dem gut 5000 Hektar großen Trappenschongebiet zu dicht standen, kamen die nach 26 Tagen schlüpfenden Küken bei der Insektensuche nicht mehr durch.

Opfer der Monokulturen
Auch die Vielfalt der Insekten hatte mit Düngung und Monokulturen extrem abgenommen. Im Havelländischen Luch brüten von rund 200 Vogelarten rund 110 Arten. Das Naturschutzgebiet bietet außerdem Lebensraum für Rehe, Hasen, Fischotter, Kraniche, Kiebitze, Rebhühner und den Brachvogel. Die Trappenküken werden in den Belziger Landschaftswiesen nahe Baitz (Potsdam-Mittelmark) ausgewildert.