"Ich bin eintäuscht von den Linken, besonders wegen der sozialen Gerechtigkeit. Jetzt sollen die Leute noch tiefer ins Portemonnaie greifen, um teuren, subventionieren Strom zu bezahlen. Sie können sich gegen den Wahnsinn der Umbauung ihrer Dörfer nicht wehren", sagte Thomas Jacob aus Groß Leine (Dahme-Spreewald) am Montag. Der Sprecher der von 18 lokalen Gruppen getragenen "Volksinitiative gegen die Massenbebauung Brandenburgs mit Windenergieanlagen" kündigte massive, von Brandenburg aus gesteuerte Proteste an. In Berlin wollen am 15. Mai vor dem Brandenburger Tor 118 Bürgerinitiativen aus dem gesamten Bundesgebiet gegen die Verspargelung der Landschaft und eine "ineffektive Wind- und Solarindustrie" demonstrieren. "Schluss mit der Naturzerstörung und Gefährdung der Gesundheit", heißt es in Jacobs Aufruf zu der Kundgebung. "Uns geht es um den Sinn erneuerbarer Energien", sagte er.Dagegen setzt die Linke stärker als bislang auf deren Ausbau - auch gegen vielerorts bestehende Vorbehalte. Wirtschaftsminister Christoffers hatte bereits zu seiner Kommunikationsoffensive für die neue Energiepolitik ankündigt, bisher geltende Kriterien zu überprüfen, die den Ausbau der Windkraft behindern und nicht einzuhalten sind. Es gehe um eine Vorrangregelung für Klimaschutz und erneuerbare Energien, um die zunehmenden Konflikte mit Natur- und Landschaftsschutz bei der Ausweisung neuer Windparks zu lösen. Nun legen am heutigen Dienstag auf der Klausur der Linksfraktion der parlamentarische Geschäftsführers Christian Görke und Wirtschaftsexperte Thomas Domres mit einem eigenen Papier mit selber Stoßrichtung und Verweis auf ein "großes Akzeptanzproblem" der Windkraftanlagen nach. Für sie ist die entscheidende Frage, "wie es gelingen kann, perspektivisch die Stromerzeugung im Energieland Brandenburg zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen". Es gehe darum, "Regelungen und Hemmnisse" zu beseitigen.Derzeit werden 375 Quadratkilometer oder rund 1,3 Prozent der Landesfläche für Windkraft genutzt. Die Energiestrategie der Landesregierung sieht eine Ausweitung auf zwei Prozent oder 555 Quadratkilometer vor - eine Fläche, vier Mal so groß wie die Kyritz-Ruppiner Heide.Görke und Domres schlagen nun vor, "eine Überarbeitung der fachplanerischen Restriktionen (insbesondere Naturschutz und Forsten) vorzunehmen" und die Notwendigkeit eines neuen "Landesgesetzes für den Vorrang erneuerbarer Energien" zu prüfen, "das vorwiegend die Raumordnung und Bauleitplanung neu ausrichtet und damit die bestehenden Hemmnisse überwindet". Görke zufolge ist die stärkere Nutzung von Militärliegenschaften - oft mit wertvollen Landschaften und Wäldern denkbar.