Für sie bestehe keine Gesundheitsgefährdung, sagte Gerald Kirchner vom Bundesamt für Strahlenschutz gestern. Allerdings müsste noch die Auswertung der Urinproben abgewartet werden. Die Ex-Frau Kowtuns, ihr Lebensgefährte sowie zwei Kinder waren am Montag zu Untersuchungen in das regionale Strahlenschutzzentrum im Krankenhaus St. Georg in Hamburg gebracht worden, nachdem bei ihnen eine Kontamination mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 festgestellt worden war.
"Die gefundenen Konzentrationen waren so gering, dass eine Gesundheitsgefährdung für die vier Personen ausgeschlossen ist, sofern es nicht zu einer Aufnahme von Polonium 210 in anderen Zusammenhängen gekommen ist", sagte Kirchner. "Die jetzt in der Klinik durchgeführten Untersuchungen dienen der Absicherung bislang vorliegender Ergebnisse." Auch Bernhard Leisner, Chefarzt für Nuklearmedizin in St. Georg, sah keine Gefährdung. "Die Messergebnisse des Urins, die wir erwarten, liegen weit unter dem, was gefährlich sein könnte."
Der russische Geschäftsmann Kowtun ist auf noch ungeklärte Weise in den Mord verstrickt. Er hatte in der Wohnung seiner Ex-Frau in Hamburg übernachtet, bevor er am 1. November zu Litwinenko nach London weiterflog. Dieser wurde vermutlich an dem Tag vergiftet. Die Ermittler gehen davon aus, dass Kowtun die radioaktive Substanz bei seiner Ankunft in Hamburg im Körper hatte, als er am 28. Oktober aus Moskau mit dem Flugzeug kam. Kowtun hatte in Hamburg bei seiner Ex-Frau unter anderem das Sofa kontaminiert. Die Kontamination übertrug sich dann auf die Familie, die am Montag in die Klinik gebracht wurde. "Die Untersuchung dauert noch mindestens zwei Tage", hieß es bei der Polizei. Die Proben würden in ein Speziallabor nach Dresden gebracht. "Mit einem Ergebnis rechnen wir frühestens ab morgen", sagte Sprecher Andreas Schöpflin.
Die Sonderkommission (Soko) "Dritter Mann" setzte gestern ihre Arbeit in Hamburg und Haselau im Kreis Pinneberg fort. In Haselau waren auf einem Anwesen, das der früheren Schwiegermutter Kowtuns gehört, Polonium-Spuren nachgewiesen worden. Experten überprüften auch das Zimmer in einem Hotel in Elmshorn, in dem die Ex-Frau Kowtuns und ihre Familie untergebracht waren. Spezialisten begannen mit der Dekontaminierung. "Das bedeutet, man wischt die Sachen mit einem Spezialtuch ab", sagte Strahlenexperte Michael Hoffmann.
Noch immer wartet die Sonderkommission auf Kontakte zu den russischen Behörden, die sich bisher nicht zu Fragen nach dem Aufenthaltsort und dem Gesundheitszustand Kowtuns geäußert haben. Inzwischen wurde ein offizielles Rechtshilfeersuchen über die Staatsanwaltschaft gestellt. Als "sehr erfreulich" bezeichnete Schöpflin die Kooperation mit Scotland Yard. Ein Beamter der Londoner Polizei ist nach Hamburg gekommen, um die Arbeit der deutschen Ermittler zu unterstützen. (dpa/uf)