Als Jugendlicher war er durch Straftaten wie Körperverletzung und Diebstahl aufgefallen, doch die Evangelische Kirche entschied sich, dem 29-jährigen Mann aus Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) eine Stelle anzubieten. Praktika verliefen gut, und alles schien perfekt - bis Mittwoch. Da bekam der Leiter der evangelischen Kindertagesstätte "Arche Noah" im Königs Wusterhausener Ortsteil Diepensee einen Anruf von der Polizei. Im Zuge von Ermittlungen gegen seinen Mitarbeiter habe man auch dessen Computer untersucht, und kinderpornografische Fotos gefunden. Im Skandal um Missbrauch und Misshandlungen an Schulen und Internaten ist nun also auch die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) betroffen. Doch man habe sofort gehandelt, sagt der Geschäftsführer der evangelischen Kindertagesstätten in den Kirchenkreisen Neukölln und Oberspree, Olaf Petzold. Dem 29-Jährigen wurden noch am selben Tag die Schlüssel zum Gelände abgenommen, er erhielt Hausverbot, und ein Kündigungsverfahren wurde eingeleitet. Auf einem Elternabend am Freitag wurden die Familien der Kita-Kinder informiert. Warum der Mann überhaupt in der Kindertagesstätte anfangen durfte? Seine kriminelle Vorgeschichte habe zwar Diebstähle und Körperverletzungen umfasst, aber eben nicht mehr. Und die Straftaten habe er als Jugendlicher begangen, sagte Petzold am Samstag am Rande der Synode der EKBO. "Hätten Sie mich am Dienstagabend gefragt, ich hätte den Mann ohne zu zögern wieder eingestellt." Sein Gemeindepfarrer habe für ihn gebürgt, die Praktika seien gut verlaufen. Und "als Christ" sei er der Meinung, dass jeder eine zweite Chance verdient habe. Nur das Führungszeugnis habe man sich bei Dienstantritt des 29-Jährigen nicht zeigen lassen - aber da er nach gegenwärtigem Kenntnisstand bislang noch nicht wegen Kinderpornos aufgefallen war, hätte das wohl auch nicht viel geholfen. Der evangelische Landesbischof Markus Dröge jedenfalls hat den Verantwortlichen der Kindertagesstätte den Rücken gestärkt. "Die Verantwortlichen haben sofort und stringent gehandelt", sagte Landesbischof Markus Dröge. "So entsetzt ich über die Sache als solche bin, so muss ich sagen, dass die Verantwortlichen sehr gut damit umgegangen sind." Schon in früheren Jahren hat es im Bereich von evangelischer Kirche und Diakonie vereinzelte Fälle gegeben, in denen Mitarbeiter wegen Kinderpornografie entlassen wurden. So wurde 2002 der Kantor der Kirchengemeinde Zossen entlassen, weil er einschlägige Fotos auf seinen Rechner herunterlud. Er leitete damals unter anderem einen Kinderchor. Benjamin Lassiwe