Einen "Überraschungscoup" habe man da landen können, berichten die sächsischen Jungsozialisten (Jusos) stolz. Sie haben ihrer Landespartei ein Bekenntnis zur Legalisierung von Cannabis abgetrotzt. Zu später Stunde und denkbar knapp passierte der entsprechende Antrag am Sonnabend den Parteitag in Görlitz. Mit 40 Ja- gegen 39 Nein-Stimmen ging der Antrag durch, der aus einem Musterantrag des Juso-Bundesverbands hervorgeht. Damit bekommt die Debatte ums legale Kiffen auch in Sachsen neuen Drive. Zumal die Sozialdemokraten hier bislang nicht gerade vorweg marschierten. Das Kiffen zum legalen Genuss zu erklären, war eigentlich immer Leib- und Magenthema der Linken. Dann kamen die Piraten, die im Landtagswahlkampf 2014 mit dem Thema punkten wollten. Dass schließlich sogar die FDP auf eine hanffreundliche Linie einschwenkte, war das Thema in der bürgerlichen Mitte angekommen.

Im Mai erklärten die Liberalen auf ihrem Bundesparteitag mehrheitlich die weiche Droge für ungefährlich genug, um sie aus dem gesetzlichen Verbot zu entlassen. Auch wenn die sächsische Parteispitze dagegen stimmte.

Auch die CDU im Lande hält von einer Lockerung nichts. "Nach wie vor lehnt die CDU die Legalisierung von Drogen ab", sagt Innenexperte Christian Hartmann, "besonders weil Cannabis oftmals als Einstiegsdroge für gefährliche Substanzen dient." Man wundere sich schon über den Vorstoß des kleinen Koalitionspartners SPD. Der werde, so Hartmann, für die Regierungskoalition "eine Randnotiz bleiben und kein inhaltliches Diskussionsthema sein".

Etliche Experten sprechen sich schon lange dafür aus, den Konsum von Cannabis zu entkriminalisieren. Würde es nach klaren Regeln staatlich kontrolliert abgegeben, wäre den Drogendealern die Geschäftsgrundlage genommen, so eines der Argumente.

Laut der Drogenbeauftragten Marlene Mortler hat jeder dreizehnte Jugendliche mindestens einmal Cannabis probiert. 1,3 Prozent von ihnen kiffen regelmäßig. Die Offenheit und Akzeptanz gegenüber der Droge ist gestiegen - trotzdem kann die gefährlich sein. Die meisten der unter 25-Jährigen, die Suchthilfe oder Behandlung brauchen, rauchen Cannabis. Cannabis bleibt damit das wichtigste Thema in der Prävention illegaler Suchtstoffe. Indes, eine Lockerung des Verbots könnte Klein-Konsumenten vor dem Abdriften bewahren. Befürworter führen immer gern das Beispiel der gescheiterten Alkohol-Prohibition in den USA der 1920er-Jahre ins Feld. Die ging als eine schlechte Verbots-Idee in die Geschichte ein.

Die sächsischen Sozis sind schon der zweite Landesverband nach den bayerischen, die sich für freien Hanf "in für den Eigenbedarf üblichen Mengen" aussprechen. Die Berliner SPD stimmte an diesem Wochenende dagegen. 44 Prozent sagten nein, 43,2 Prozent sagten ja. Ein Unterschied von 63 Stimmen.