Mit einem Klemmbrett unterm Arm und mit forschen Schritten geht Erik Engel über den Hof des Carl-Thiem-Klinikums. Er schließt die Tür eines einstöckigen, weiß getünchten Gebäudes auf. Drinnen entriegelt er eine weitere Tür zu einem kleinen, fensterlosen Raum - die "Kühlzelle", wie Engel sie nennt. Es riecht nach Desinfektionsmittel, ein Thermometer zeigt sechs Grad Celsius. Schwarze Plastikboxen stehen übereinandergestapelt an der Wand. Jede Box ist mit einem rot-weißen Aufkleber gekennzeichnet. E-Abfall steht darauf: ethischer Müll. Das ist alles, was dem Menschen entnommen oder herausoperiert wird, Blut, Gewebereste, Blinddärme.

Erik Engel kennt im CTK jeden Lagerraum und jede Mülltonne. Der 25-Jährige ist Krankenhausökologe und koordiniert die Entsorgung aller Abfälle. Von der Leuchtstoffröhre über die Mullbinde bis zum Organ. Bei einem Haus wie dem CTK mit über 1300 Betten sind das rund 1200 Tonnen Müll im Jahr.

Ob in den Boxen in der Kühlzelle Nieren, Hautreste oder amputierte Füße lagern, will Erik Engel gar nicht wissen. Er kontrolliert nur, ob sie ordnungsgemäß verschlossen sind. Sorgfältig fährt er mit den Fingern am Deckelrand entlang. "Wenn ein Sonderabfallbehälter nicht ordnungsgemäß verschlossen ist, muss er über einen zusätzlichen Sicherheitsbehälter entsorgt werden." Dann entstehen höhere Kosten und das muss Engels vermeiden, denn die Kosten für Sondermüll wie den ethischen Abfall, sind pro Kilo zehnmal höher als bei normalem Hausmüll.

Die Müllentsorgung ist für Krankenhäuser teuer. 150 000 Euro gibt das CTK im Jahr dafür aus. Den größten Posten nimmt der einfache Klinikabfall mit 570 Tonnen ein, dazu gehören Einmalhandschuhe, Verbände oder Windeln. Das wird in den klinikeigenen Müllpressen zusammengedrückt und dreimal die Woche abtransportiert. Neben den Boxen mit den Körperteilen lagert in der Kühlzelle der infektiöse Abfall, sogenannter C-Müll. Der kommt überwiegend aus dem Labor des Klinikums und kann Erreger übertragbarer Krankheiten enthalten - beispielsweise Blutproben von Menschen mit dem gefährlichen Darmkeim Ehec oder Tuberkulose. Zwar werden die Keime im Labor mit einem speziellen Verfahren abgetötet, aber das Bundesseuchenschutzgesetz schreibt eine gesonderte Entsorgung vor. Insgesamt drei Tonnen infektiösen und ethischen Müll entsorgte das CTK 2010, in diesem Jahr werden es doppelt so viele. "Die Mengen schwanken, in diesem Jahr ist es wegen Ehec-Verdachtsfällen und interner Umstellungen bei der Abfallentsorgung mehr", erklärt Engel. Eine Spezialfirma bringt den Sondermüll alle zwei Wochen nach Berlin in eine Verbrennungsanlage.

Engel muss sich mit den unterschiedlichen Abteilungen des Klinikums absprechen, Mitarbeiter schulen und Verhandlungen mit den Entsorgungsfirmen führen. Er kennt das Bundesseuchenschutzgesetz, die Gewerbeabfallverordnung und die Sonderabfallverordnung Brandenburgs. Er besucht Fortbildungen und trifft sich regelmäßig mit anderen Krankenhausökologen.

Erik Engel, der im CTK Bürokaufmann gelernt hat, ist durch Zufall zum Müll gekommen. Als sein Vorgänger vor zwei Jahren in Rente ging, wurde ihm die Stelle angeboten. Neben seinem Vollzeitjob studiert der 25-Jährige abends und am Wochenende an einer Fernuniversität Wirtschaftsingenieurwesen.

Anfangs war ihm etwas mulmig, die Kühlzelle zu betreten. "Aber es ist ja alles gut verpackt, und ich sehe nicht, was drin ist." Anders sei es bei den Zytostatika, Zellgiften, die bei Krebspatienten eingesetzt werden. "Davor habe ich größten Respekt", sagt Engel. Er deutet auf die Totenkopf-Warnhinweise an den gelben eimerförmigen Behältern. Bevor Engel das Gebäude verlässt, desinfiziert er sich sorgfältig die Hände.

Er überquert den Hof und betritt das Untergeschoss des Klinikums. Hierhin verirren sich die Patienten nur selten. Durch die niedrigen Gänge rumpeln motorisierte Wagen mit mehreren Anhängern. Sie transportieren den Müll von den Stationen und Sammelräumen zu den Müllpressen und Kühlräumen.

Engel legt in dem weitläufigen Krankenhauskomplex fast täglich mehrere Kilometer zurück. Auf jeder Station im Klinikum gibt es einen Unreinraum. Dort stehen Bettpfannen, es gibt einen Abfluss für Urin, verschiedene Müllbehälter. Spritzen, Kanülen und andere scharfe Gegenstände kommen in eine Extra-Box. Erik Engel wirft einen prüfenden Blick in die Mülltüten und Behälter. "Alles in Ordnung", stellt er fest.

Als Krankenhausökologe muss er ständig nach Einspar- und Recyclingmöglichkeiten suchen. Nicht immer erfolgreich. Wie zum Beispiel als er durchsetzen wollte, dass im ganzen Krankenhaus mit dünnerem Papier gedruckt wird. Doch die Drucker konnten das leichte Papier nicht einziehen und verstopften.

Wilfried Krause ist Abteilungsleiter Technik im CTK. "Die Müllentsorgung ist sehr aufwendig, deshalb beschäftigen wir extra einen Mann dafür." Immer wieder werden die Verträge mit Entsorgungsfirmen neu ausgeschrieben, neue Techniken müssen ausgetestet werden, immer unter der Vorgabe, so wirtschaftlich wie möglich zu handeln. "Wir als Krankenhaus sind für unseren Müll verantwortlich. Wir müssen auch darauf achten, dass er nicht einfach irgendwo in den Wald gekippt wird."

Zum Thema:

Müll im CTKIm Jahr 2010 musste das CTK etwa 1200 Tonnen Müll entsorgen. Das kostete rund 150 000 Euro. Der größte Posten mit etwa 570 Tonnen ist der Krankenhausabfall. Das sind Verbandsmittel, Einweghandschuhe, Windeln. Aus dem gepressten Krankenhausmüll wird in einer Verbrennungsanlage wieder Energie gewonnen. Der Sonderabfall des Krankenhauses ist aufgeteilt in ethischen Müll (menschliches Gewebe und Organe), C-Müll (infektiöser Müll aus dem Labor) und Zytostatika aus der Krebstherapie. Diese Abfälle werden von Spezialfirmen abgeholt. Im CTK entsteht noch mehr Müll, der gesondert entsorgt werden muss, zum Beispiel Lösungsmittel und Chemikalien aus dem Labor und Fette aus der Pathologie. In der Küche und Kantine werden jährlich 80 Tonnen Essensreste weggeschmissen. Der Müll wird nach Schlüsseln sortiert. Das sind mehrstellige Ziffern. So wandert jede Glühbirne und jedes Skalpell in die richtige Tonne.