Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) sprach von einem "unerträglichen Maß des Hasses gegen Flüchtlinge und Politiker". Einige in der Gesellschaft hätten "den gegenseitigen Respekt und den Anstand verloren". Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), der noch zu Jahresbeginn ein gewisses Verständnis für die Aufmärsche in Dresden gezeigt hatte, fand deutliche Worte: Die Protagonisten würden inzwischen sogar die Grundlagen der Demokratie infrage stellen, indem sie diese Demokratie mit den Kampfbegriffen der NSDAP in der Weimarer Republik als "Altparteien-Demokratie" und die Parlamente als "Quasselbunde von Volkverrätern" umzudeuten versuchten, meinte der SPD-Chef. Pegida sei "in Teilen offen rechtsradikal".

Die Generalsekretärin der Sozialdemokraten, Yasmin Fahimi sprach sich für eine stärkere Beobachtung von Pegida durch die Sicherheitsbehörden aus. Berichten zufolge hatte der deutsch-türkische Autor Akif Pirincci in einer Rede auf der Dresdner Kundgebung die Regierungspolitik und etablierte Parteien wie die Grünen auf übelste Weise beschimpft ("Gauleiter gegen das eigene Volk") und dabei getönt: "Es gäbe natürlich auch andere Alternativen. Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb." Die Dresdner Justiz nahm Ermittlungen auf. Die Instrumentalisierung des Begriffes "KZ" lasse die Überlebenden deutscher Konzentrationslager, die KZs am eigenen Leib erfahren hätten, fassungslos und verstört zurück, hieß es beim Internationalen Auschwitz Komitee, das von Überlebenden des Nazi-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau gegründet worden war.

Journalisten vor Ort berichteten derweil von tätlichen Angriffen. So sei ein Kameramann der Deutschen Welle ausländerfeindlich beleidigt und geschlagen worden. Bei Pegida-Demonstrationen werden die Medien regelmäßig als "Lügenpresse" beschimpft.

"Volles Verständnis" für die Pegida-Anhänger zeigte man dagegen gestern in der rechtskonservativen Alternative für Deutschland. Das Erstarken der Bewegung gehe mit der Zuspitzung der politischen Situation in der Flüchtlingsfrage einher. "Da braucht man sich nicht zu wundern", sagte AfD-Vorstandsmitglied Bernd Grimmer.

Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) setzt indes weiter auf Dialog mit Pegida. "Wichtig ist, dass wir diese Spaltung, die sichtbar wird in Dresden auf der Straße, überwinden", meinte sie in einem Interview.