Scharfe Kritik trifft die Strecken-Designer der Straßenrennen von Rio. In derselben Abfahrt von der Vista Chinesa rund zehn Kilometer vor dem Ziel stürzten erst Vincenzo Nibali (Italien/Schlüsselbeinbruch) und Sergio Henao (Kolumbien/Beckenbruch) und dann Annemiek van Vleuten (Niederlande/Wirbelbrüche) schwer.

Für den Olympiasieger von 1992 Chris Boardman haben die Verantwortlichen die Fahrer leichtfertig ins Verderben geschickt". Der Brite, der als BBC-Experte kommentiert und von spiegel.de zitiert wird, sieht die Streckendesigner in der Pflicht, "größtmögliche Sicherheit herzustellen und das Gefahrenpotenzial zu bannen, so gut es geht". In Rio sei das Gegenteil passiert. "Als ich die Randsteine bei der Besichtigung sah, war mir klar, dass hier niemand nach einem Sturz einfach aufstehen würde. Die Leute, die für den Kurs verantwortlich waren, haben es auch gesehen, aber nichts unternommen", sagte er.

Für den Cottbuser Ex-Weltmeister im Straßenfahren Bernd Drogan (61) haben die Straßenrennen von Rio einen faden Beigeschmack. Gegenüber der RUNDSCHAU wirft er die Frage auf: "Wo bleibt der olympische Gedanke, wenn für Rio eine der schwersten Alpenetappen der Tour de France hingebaut wird." Der Sturz der Niederländerin van Vleuten sei so grausam gewesen, "dass ich nicht mehr hinschauen wollte".

Die Dissenerin Trixi Worrack (Platz 43) relativiert die Einschätzung zu Gefahren auf dem Olympia-Kurs. "Es gibt viel schwerere Abfahrten." Ihr Cottbuser Ex-Trainer Rainer Gatzke erklärt: "Mit Gold vor Augen sind Nibali oder van Vleuten höchstes Risiko gefahren. Das sind gestandene Profis, die das einschätzen können." Gatzke fügt hinzu: Mögliche Sturzfolgen nach Kurven zu entschärfen - davon habe er nur wenig gesehen. Sport Seite 17