Der 28. Januar 1986 hat sich als Datum einer der großen nationalen Tragödien in das kollektive Gedächtnis der USA eingeprägt - und aus der die Nasa auch 20 Jahre danach keinen Ausweg gefunden hat. Zugleich begann damals eine Krise der bemannten Raumfahrt, die am 1. Februar 2003 durch die Explosion der Columbia nochmals dramatisch verschärft wurde.
In einer Zeremonie im Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida werden heute Nasa-Mitarbeiter und Hinterbliebene der sieben Opfer gedenken. Neben den sechs Astronauten kam damals auch die 37-jährige Englisch- und Geschichtslehrerin Christa McAuliffe ums Leben, die von der Raumfahrtbehörde ausgewählt worden war, als erste Nicht-Astronautin ins All zu fliegen. In die Trauer um die Challenger-Opfer mischt sich aber auch die Sorge um die Zukunft des Space-Shuttle-Programms und der bemannten Raumfahrt. Denn wegen der massiven technischen Probleme der veralteten Flotte ist höchst ungewiss, ob die Raumfähren noch wie geplant bis 2010 fliegen können.
Das Challenger-Desaster wurde durch die defekte Dichtung einer Treibstoffrakete verursacht. Danach setzte die Nasa alle Shuttle-Flüge für zweieinhalb Jahre aus, während die Konstruktion der Raumfähren umfassend überarbeitet wurde. Nach erneut jahrelangen routinemäßigen Pendelflügen zur Internationalen Raumstation ISS wurde dann durch das Colum-bia-Desaster auf drastische Weise die von Kritikern vorgebrachte Sorge bestätigt, dass die Nasa nicht gründlich genug gearbeitet hatte. Die Columbia barst beim Landeanflug auseinander, wieder starben alle sieben Crew-Mitglieder. Die Ursache war diesmal ein Stück Schaumstoffisolierung, das beim Start vom externen Treibstofftank abgeplatzt war und den Hitzeschutz der Fähre beschädigt hatte.
Auch nach dieser Katastrophe dauerte es wieder zweieinhalb Jahre, bis die Nasa sich traute, erneut ihre Shuttles auf die Reise zu schicken. Doch trotz der abermaligen aufwändigen Umbauarbeiten wurde die Mission der Discovery im vergangenen Sommer zu einer einzigen Zitterpartie. Wieder löste sich ein größerer Schaumstoffbrocken vom Außentank - und es war nichts als reines Glück, dass er diesmal am Shuttle vorbeisegelte. Mit dem Leben der Crew sei "eine Art russisches Roulette" gespielt worden, befand der Raumfahrt-Historiker Alex Roland. Die Shuttle-Flüge wurden erneut gestoppt; frühestmöglicher nächster Starttermin ist im Mai.
Nun ist der Space Shuttle ohnehin ein Auslaufmodell. Als Konsequenz aus dem Columbia-Desaster verkürzte US-Präsident George W. Bush die Laufzeit des Programms um zehn Jahre. Nachfolger soll das - auf der Technologie der Apollo-Mondflüge aufbauende - "Crew Exploration Vehicle" (CEV) - werden, das 2012 erstmals starten soll. Bis 2020 soll es Astronauten zum Mond bringen, später zum Mars. Doch vorerst hat die Nasa weiter nur die Shuttles - und damit ein Riesenproblem: Denn die Fähren müssen noch 18 Flüge absolvieren, damit die Bauarbeiten an der ISS abgeschlossen werden können. Wegen der technischen Probleme ist höchst ungewiss, ob dies möglich sein wird.
Aber auch über Bushs ehrgeizigen Plänen für das CEV stehen dicke Fragezeichen. So setzen sie voraus, dass künftige Präsidenten die enormen Kosten des Projekts - derzeitige Schätzung der Nasa: 104 Milliarden Dollar - aufzubringen bereit sind. Nasa-Chef Michael Griffin aber will sich weder von dieser gigantischen Summe noch von den Tragödien der Vergangenheit entmutigen lassen. Er sieht Parallelen mit den Rückschlägen zu Beginn der Fliegerei. Die Verluste von Menschenleben zeigten "unsere Begrenzungen als menschliche Wesen, wenn wir eine neue Technologie zu erfinden suchen".