Das verlautete nach einem Treffen zu Wochenbeginn, bei dem Verfechter eines Nachbaus der Silbermann-Orgel und Befürworter einer modernen und erweiterten Orgel für die derzeit im Wiederaufbau befindliche Frauenkirche nochmals ihre Standpunkte darlegten.
Der Dresdner Musikwissenschaftler Frank-Harald Greß sagte gestern, in dem Streit stünden einem kleinen Kreis einiger Berater der Stiftung Frauenkirche und weiterer Befürworter der Kompromisslösung weit mehr als 100 international renommierte Fachleute gegenüber, die nachdrücklich den konsequenten Nachbau fordern.
Die Auseinandersetzung über fachliche Aspekte fand in vergangenen Jahr eine Zuspitzung, als eine in Dresden gebildete Pro-Silbermann-Gruppe gewichtige internationale Unterstützung für ihre Argumente fand.
Der Streit eskalierte, als bekannt wurde, dass die französische Orgelbaufirma Kern für den Bau der Orgel vorgesehen wurde, obwohl es sächsische Orgelbauer mit jahrzehntelangen Erfahrungen aus Rekonstruktion und Pflege von Silbermann-Orgeln gibt (die RUNDSCHAU berichtete).
Greß betonte, es sei wissenschaftlich, orgelbaulich und musikpraktisch nachgewiesen worden, dass ein Nachbau möglich und sinnvoll ist. Ein vom Stiftungsrat favorisiertes Kompromisskonzept hätte "immense Zusatzkosten" zu Folge.
Außerdem würde die Finanzierung des Orgelprojektes durch die Dussmann-Stiftung aufs Spiel gesetzt. Von dieser Stiftung sind 1,5 Millionen Euro für den Orgelbau vorgesehen. Diese Zusage ist bisher jedoch davon abhängig gemacht worden, dass sächsische Orgelbaufirmen einen möglichst am Original von Silbermann orientierten Nachbau verwirklichen. (ddp/bra)