Di e Gefahr eines US-Staatsbankrotts ist aller Wahrscheinlichkeit nach gebannt. Kurz vor Fristablauf einigten sich die Parteien in Washington, die Schuldengrenze des Landes zu erhöhen, wie der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, am Mittwoch sagte. Auch die seit zwei Wochen teilweise lahm liegende US-Verwaltung solle nach Verabschiedung eines Übergangsbudgets wieder ihre Arbeit aufnehmen. Das Gesetz musste noch beide Kongresskammern passieren, was als nahezu sicher galt.

Die Republikaner gaben ihren Widerstand auf. Der Oppositionsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, bestätigte die Vereinbarung. Es deutete alles darauf hin, dass es das Gesetz sogar noch am Mittwoch durch den Kongress schaffen könnte. Der republikanische Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, John Boehner, teilte mit, seine Partei werde die Anhebung des Kreditlimits und den Übergangsetat nicht blockieren. "Wir haben einen guten Kampf geliefert, wir haben einfach nicht gewonnen", sagte er dem Radiosender 700 WLW in seinem Heimatstaat Ohio.Mit den Abstimmungen in den beiden Kammern wurde noch am Abend (Ortszeit) gerechnet.

Der republikanische Senator Ted Cruz, dem nachgesagt wurde, er könne die Abstimmung im Senat durch eine Dauerrede verzögern, hat nach eigener Aussage "keine Einwände" gegen das Gesetz. Obama ließ den Kompromiss über seinen Sprecher begrüßen, äußerte sich aber zunächst nicht selbst.

"Unser Land kam an den Rand einer Katastrophe. Aber am Ende haben politische Gegner ihre Unterschiede und Unstimmigkeiten zur Seite geräumt, um dieses Desaster zu verhindern", sagte Reid. McConnell räumte ein, dass seine Partei im Ringen um die Lösung ihre Ziele nicht erreicht habe. "Das ist ehrlich gesagt viel weniger, als viele von uns erhofft hatten", sagte er.

Die Einigung sieht vor, das Schuldenlimit so anzuheben, dass die USA mindestens bis zum 7. Februar 2014 liquide bleiben. Außerdem solle ein bis zum 15. Januar gültiger Übergangshaushalt verabschiedet werden, damit die seit mehr als zwei Wochen weitgehend stillgelegte Verwaltung wieder ihre Arbeit aufnehmen kann. Das kann laut Boehner schon am Donnerstag passieren. Außerdem soll eine überparteiliche Kommission eingesetzt werden, die bis Mitte Dezember Vorschläge zum Schuldenabbau vorlegen muss.

Die Finanzmärkte hatten wegen des Pokers bis zur allerletzten Minute den Atem angehalten. Als die Nachricht über eine Einigung die Runde machte, entspannte sich die Lage aber deutlich.

Die Lösung wendet einen wirtschaftlichen Albtraum ab: Ohne die Erhöhung der Schuldengrenze von 16,7 Billionen Dollar (12,3 Billionen Euro) hätte den USA nach Angaben von Finanzminister Jack Lew gedroht, kein Geld mehr zu haben. Wann erstmals konkret mit der Zahlungsunfähigkeit gerechnet wurde, blieb unklar. Experten sprachen von Anfang November.

Obendrein hatten die USA seit dem 1. Oktober keinen gültigen Staatshaushalt. Hunderttausende Beamte der Bundesverwaltung mussten in den Zwangsurlaub gehen, viele Ämter, Nationalparks und andere öffentliche Einrichtungen wurden geschlossen.

Am Dienstagabend hatte die Ratingagentur Fitch einen Warnschuss abgegeben und den USA mit der Aberkennung der Spitzenbewertung gedroht.