E twa jeder Zehnte der einst rund 500 000 Beschäftigten im Uranerzbau in Sachsen und Thüringen nahm nach seinen Angaben seit 1992 an einem speziellen Früherkennungsprogramm für Strahlenbelastete teil. Wie es hieß, sind in den vergangenen 20 Jahren rund 7800 Fälle von Erkrankungen durch ionisierende Strahlungen festgestellt worden, darunter vor allem Staublungen sowie Kehlkopf- und Lungenkrebs. Insbesondere in den 1940er- und 1950er-Jahren waren Bergleute wegen mangelnder Schutzmaßnahmen gefährde t.

Breuer sagte, sowohl Umfang und Schwere der Strahlenbelastung als auch die Intensität der Aufarbeitung und Behandlung seien bisher "weltweit einmalig". Viele Erkenntnisse und Erfahrungen aus den Vorsorgeprogrammen könnten auch auf andere Bereiche der Arbeitssicherheit übertragen werden. Nach den Angaben konnte die Zentrale Betreuungsstelle Wismut nach der Wende insgesamt noch 165 000 Betroffene ausfindig machen, denen medizinische Betreuung angeboten wurde. Rund 55 000 davon nahmen das Angebot an. In 215 000 ärztlichen Untersuchungen sollten vor allem Atemwegserkrankungen möglichst früh erkannt werden, um rechtzeitig mit entsprechenden Therapien zu beginnen und Rentenansprüche prüfen zu können.

Die Bundesregierung hatte Anfang der 1990er-Jahre zur Entschädigung von Wismut-Beschäftigten einen Einmalzuschuss von 400 Millionen Mark an die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung gezahlt. Bei rund 200 Milliarden Auszahlungen der DGUV insgesamt mache die eine Milliarde für die Geschädigten im DDR-Uranbergbau nur 0,5 Prozent aus, hieß es. Die Wismut sei damit allerdings das größte betroffene Einzelunternehmen.

Breuer sagte, aufgrund der langen Latenzzeit von etwa 60 Jahren bei Strahlengeschädigten rechne er auch in den nächsten beiden Jahrzehnten mit Ansprüchen, "aber in deutlich geringerem Umfang".

Auffällig sei die hohe Bodenständigkeit der Betroffenen: Die Antragsteller kämen zu 73 Prozent aus Sachsen, zu 22 Prozent aus Thüringen und nur zu fünf Prozent aus anderen Bundesländern. Die Wismut mit Standorten in Sachsen und Thüringen galt bis 1990 als drittgrößter Uranproduzent der Welt. In mehr als vier Jahrzehnten wurden zu DDR-Zeiten 231 000 Tonnen Uranerz gefördert.