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| 13:36 Uhr

Entlegene Katastrophengebiete warten auf Hilfe

Neun Tage nach der Flutkatastrophe in Südasien benötigen immer noch mehr als 1,8 Millionen Menschen dringend Nahrungsmittel. Hilfsorganisationen rechnen damit, dass es einige Tage dauern könnte, bis auch die entlegensten Gegenden erreicht werden.

Die UN warnte gestern davor, dass Tausende verhungern oder an Krankheiten sterben könnten, weil Versorgungsgüter nicht rechtzeitig ankämen.

Hilfsorganisationen rechnen damit, dass es einige Tage dauern könnte, bis auch die entlegensten Gegenden erreicht werden. Zur Versorgung von Hunderttausenden mit Trinkwasser, Nahrung und Medizin sind in den Katastrophengebieten am Indischen Ozean Hubschrauber, Flugzeuge, Schiffe und Lastwagen im Dauereinsatz. Dadurch konnte die internationale Hilfe auch in abgelegenere Gebiete gelangen.

Eine Gruppe wütender Überlebender auf den südindischen Nikobar-Inseln nahmen einen Beamten und einen Polizeichef als Geiseln, um gegen unzureichende Hilfsmaßnahmen zu protestieren, wie die indische Zeitung „Hindustan Times“ am Dienstag berichtete. Die Überlebenden hatten demnach vier Tage lang ohne Lebensmittel ausgeharrt, bevor sie sich durch den Dschungel zu einem Stützpunkt in der Campbell-Bucht schlugen, wo sie den Beamten und Polizisten beim Essen vorfanden. Sie wurden später freigelassen, nachdem sie versprochen hatten, für Nahrungsmittel zu sorgen. Hilfsorganisationen zufolge warteten noch immer einige Inselbewohner der Region auf Hilfe, hieß es.

Der UN-Chefkoordinator für Indonesien, Michael Elmquist beklagte nach einem Bericht der „Washington Post“, dass nur ein Achtel der Hilfsgüter wegen fehlender Infrastruktur und logistischer Probleme die Bedürftigen auf der am stärksten betroffenen Insel Sumatra erreiche. Etwa 800 000 der 4,6 Millionen Bewohner der Provinz Aceh würden für die nächsten drei bis zwölf Monate vollkommen von fremder Hilfe abhängig sein, sagte Elmquist. Bei dem Erdbeben vor der Küste Sumatra und den dadurch ausgelösten Flutwellen am 26. Dezember starben nach jüngsten UN-Angaben etwa 150 000 Menschen. Doch könne diese Zahl noch erheblich steigen, sagte UN-Nothilfekordinator Jan Egeland, da viele Städte und Ortschaften auf Sumatra völlig zerstört seien. Das Sumatra-Beben hatte die Stärke 9,0 auf der Richterskala.

Vom Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ vor Sumatra werden seit Samstag Betroffene mit Hilfsgütern aus Militärhubschraubern versorgt. In der besonders schwer betroffenen Stadt Galle im Südwesten Sri Lankas wurden US-Soldaten zur Katastrophenhilfe erwartet. Die USA wollen eine Vorhut von 200 Marines nach Galle schicken, letztendlich sollen 1500 Soldaten und ein Hubschrauber- Träger mit 20 Helikoptern nach Sri Lanka kommen. In Thailand werden zum Bergen von Leichen und zu Aufräumarbeiten Elefanten eingesetzt.

Die Vereinten Nationen gaben unterdessen an, dass sie bisher 1,5 Milliarden Dollar an Spenden erhalten haben. Diese umgerechnet 1,1 Milliarden Euro stellen einen Rekord dar, sagte ein Sprecherin des UN-Amtes zur Koordination humanitärer Hilfe (OCHA) am Montag in Genf.

Nach den Worten des indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono plant sein Land gemeinsam mit anderen Staaten in der Region die Einrichtung eines Frühwarnsystems für Naturkatastrophen, das schnell Hinweise auf Erdbeben oder Tsunamis liefern soll. „Dies ist sehr wichtig, weil dadurch vorsorglich gehandelt werden kann.“

Langsam schwindet indes die Hoffnung, tausende Vermisste noch lebend zu finden. „Ich glaube, die Hoffnung wird langsam auslaufen“, sagte der Asien-Beauftragte des Auswärtigen Amts, Peter Christian Hauswedell. Die Zahl der vermissten deutschen Touristen liegt laut dem Auswärtigen Amt nach wie vor bei „sehr deutlich“ über 1000 Menschen.