"Mit dem Katalog und der dazugehörenden Ausstellung, die derzeit im Werkbundhaus Dresden-Hellerau zu sehen ist, wollen wir möglichst viele Interessierte auf diese Besonderheit der ostsächsischen Baugeschichte aufmerksam machen", erklärt Claudia Klinkenbusch. Zu verdanken hat Niesky die Vielzahl der für Mitteleuropa eigentlich untypischen Holzbauten der Firma Christoph und Unmack, die sich von 1887 bis zum Zweiten Weltkrieg mit dem Holzhausbau beschäftigte und sich als führender Anbieter in ganz Deutschland etablierte. Bedeutendster "Angestellter" der Firma war zweifellos der Architekt Konrad Wachsmann, der von 1926 bis 1929 in Niesky wirkte. Das nach seinem Entwurf 1927 errichtete Wohnhaus Goethestraße 2 erlangte zumindest in Fachkreisen weltweite Berühmtheit als Musterbeispiel für seinerzeit modernen Holzbau in Blockbauweise. "Nach der geplanten Sanierung soll in ihm ei n Informationszentrum für den Holzbau entstehen", so Claudia Klinkenbusch.
"Holzhausbau in Niesky ist aber viel mehr als nur das berühmte ‚Wachsmannhaus'", erklärt die Bauhistorikerin. Christoph und Unmack errichteten von einfachen Werkswohnhäusern bis hin zu Direktorenvillen Holzhäuser in allen Preisklassen, die zumeist auch als Musterhäuser für Kaufinteressenten dienten. Hinzu kamen beispielsweise eine Kirche, ein Kindergarten und eine Verkaufsstelle in Holzbauweise. In Neusärichen und im Bereich um die heutige Wachsmannstraße (Neuödernitz) entstanden ganze Holzhaussiedlungen. Nicht alles überdauerte bis in die heutige Zeit - so wurde das frühere Barackenlager "Wiesenhof", das zwischenzeitlich auch als Konzentrationslager diente, Anfang der neunziger Jahre abgerissen.
Mit dem neuen Katalog erhalten nunmehr alle Freunde der Holzarchitektur einen einzigartigen "Reiseführer" durch Niesky. "Der beeindruckende Bestand an Holzbauten der 1920er- und 1930er-Jahre in Niesky erfuhr bislang noch keine zusammenfassende Darstellung", betont Claudia Klinkenbusch. Erhältlich ist der Katalog im Stadtmuseum Niesky.

Service Holzbauten
 Die Ausstellung "Holzbauten der Moderne" kann bis zum 17. Dezember im Werkbundhaus Hellerau, Karl-Liebknecht-Straße 56 (auf dem Gelände des Festspielhauses) in 01109 Dres den-Hellerau besichtigt werden.
Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag 10 bis 15 Uhr; Donnerstag 10 bis 16 Uhr; Samstag und Sonntag 11 bis 16 Uhr.