Stattdessen muss er zwei Präparate schlucken - eine Situation, die deutschlandweit viele betreffen könnte.

Der 76-Jährige muss nun Euthyrox in Kombination mit Jodid einnehmen. Statt bisher einem muss er also zwei Medikamente bezahlen beziehungsweise zuzahlen. "Das empfinde ich als Abzocke", ärgert er sich. "Ich bin hochgradig verärgert - und ich glaube auch zu Recht."

In der Tat kann die Firma Merck als Hersteller von Jodthyrox derzeit nicht liefern - spricht dabei allerdings nur von "einigen Dosierungsstärken". Das Problem besteht offenbar schon seit Juli. Hintergrund seien einerseits technische Probleme, andererseits eine "stark erhöhte Nachfrage nach Schilddrüsenhormonen", wie Sprecher Gangolf Schrimpf erklärt. Die beiden Bestandteile Jodid und Levothyroxin seien auch als einzelne Tabletten erhältlich. Doch das Jodid muss voraussichtlich aus eigener Tasche bezahlt werden - in Höhe von rund vier Euro.

Mit diesen "Peanuts" könnten deutschlandweit unzählige Bundesbürger konfrontiert sein. Der Schilddrüseninitiative Papillon zufolge hat etwa jeder dritte erwachsene Deutsche krankhafte Veränderungen an der Schilddrüse, jeder vierte sogar Knoten. Wie oft gerade Thyroxin verschrieben wird, ist schwer einschätzbar.

Das entscheidende Problem dabei aber ist, dass derzeit kein vergleichbares, von anderer Seite produziertes Medikament verfügbar ist - mit einer exakt identischen Zusammensetzung wie Jodthyrox. Das bestätigen nicht nur Lübbener Apotheker, sondern auch Dr. Jane Schröder von der unabhängigen Arzneimittelberatung in Dresden. Die AOK Nordost hingegen kann kein Problem erkennen: "Entsprechende Generika sind aktuell lieferbar und von Apotheken bestellbar", schreibt Pressesprecher Matthias Gabriel. Ein Beispiel konnte er allerdings auf Rückfrage nicht nennen.

Einzige Möglichkeit ist Jane Schröder zufolge Thyronajod. Es enthält allerdings mehr Jodid als Jodthyrox und kann daher nur im Einzelfall alternativ vom Arzt verordnet werden.

Unterm Strich also bleibt für Rudi Schmidt - und womöglich viele, viele andere - keine Alternative dazu, zwei Tabletten zu schlucken. Die vier Euro für das Jodid kann er zwar bei der Krankenkasse einreichen. Doch eine gesetzliche Grundlage, diese zurückzuerstatten, gibt es nicht.