Staakow am nördlichen Rand der Lieberoser Heide ist ein kleines Dorf. Nur etwa 50 Einwohner hat der Ortsteil der Gemeinde Schenkendöbern (Spree-Neiße). Die aber seien sich einig, versichert Kerstin Jankowski: "Wir sind nicht gegen erneuerbare Energie, aber dagegen, dass hier Wald in Größenordnungen gerodet wird, um einen Solarpark zu bauen."

Jankowski gehört zur Bürgerinitiative "Pro Lieberoser Heide". Die hat 1500 Unterschriften gegen die Pläne der Procon GmbH aus Cottbus für einen Heideenergiepark der Superlative gesammelt. Der soll auf dem in Landesbesitz befindlichen ehemaligem Militärgelände nahe Staakow errichtet werden. Zwei Solarfelder plus Windpark.

Über 1300 Hektar würden insgesamt eingezäunt. Die Solarstromgewinnung wäre etwa dreimal so groß wie der bereits in der Lieberoser Heide errichtet Solarpark Turnow-Preilack. Die Investitionssumme soll etwa 600 Millionen Euro betragen.

Das Areal: 900 Fußballfelder groß

Vorher müssten jedoch rund 650 Hektar Kiefernwald gefällt werden. Das entspricht der Größe von 900 Fußballfeldern. Eine derartige Rodung für Solarstromgewinnung gibt es bisher in ganz Deutschland nicht.

Anders als Windparks brauchen Solaranlagen keine ausgewiesenen Eignungsgebiete. Bebauungsplan und Baugenehmigung reichen aus. Ende Dezember wollen die Gemeindevertreter von Schenkendöbern über den Plan für das Energiepark-Gebiet abstimmen.

Schenkendöberns Bürgermeister Peter Jeschke (CDU) will den Sonnenstrom-Park. Das sei ein Zeichen gegen den Braunkohlebergbau, der drei Dörfer der Gemeinde bedrohe. Außerdem kämen über die Gewerbesteuer Einnahmen in die Gemeindekasse. Entschieden sei noch nichts: "Wir sind noch am Anfang des Verfahrens und der Abwägung."

Bis Freitag können bei der Gemeinde Einwände gegen den Solarpark im Wald eingereicht werden. Einige Träger öffentlicher Belange haben im Rahmen einer vorzeitigen Beteiligung schon ihr Urteil abgegeben. Die anerkannten Naturschutzverbände in Brandenburg lehnen das Vorhaben "strikt ab". In einem gemeinsamen Papier erklären sie, warum ein so massiver Eingriff in einer Gegend mit verschiedensten nationalen und internationalen Schutzgebieten aus Naturschutzsicht nicht hinnehmbar sei. Es geht unter anderem um Vogelschutzgebiete und das Zerschneiden großer Naturräume.

Seltsam widersprüchlich liest sich die Stellungnahme des Landesbetriebes Forst. Dort heißt es zunächst, wenn die abgeholzte Fläche in 25 Jahren wieder aufgeforstet wird, "könne zugestimmt werden". Doch schon im nächsten Satz ist von "erheblichen Bedenken" die Rede, die dann auch erläutert werden.

Die Entsorgung der noch vorhandenen Altlasten sei nicht nur durch den Solarpark, sondern auch durch die Einnahmen aus der Wald-Bewirtschaftung finanzierbar. In den vergangenen Jahren habe der Landesforstbetrieb bereits elf Millionen Euro für die Entmunitionierung der Lieberoser Heide aufgebracht und 6200 Hektar abgesucht.

Der Wald sei als Speicher für das klimaschädliche Kohlendioxid wichtig und das Holz der Bäume, die jetzt auf einen Schlag gefällt werden sollen, werde schon in wenigen Jahren den Holz verarbeitenden Betrieben der Region fehlen, warnen die Förster. Der Solarpark würde außerdem eines der größten nordostdeutschen Waldgebiete zerschneiden.

Rainer Brettschneider, Staatssekretär im Brandenburger In frastrukturministerium, zu dem die Forstverwaltung gehört, verteidigt diese auffällig widersprüchliche Stellungnahme: "Das ist ein ja, aber." Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sehe gerade munitionsbelastete Konversionsflächen als Standorte für solche Anlagen vor.

Die letzte Entscheidung liege sowieso bei der Gemeinde Schenkendöbern, von der die Initiative für diese Planung ausgegangen sei, so der Staatssekretär. Einen generellen Tabubruch will er jedoch auch in einer möglichen Genehmigung nicht sehen: "Lieberose ist kein Freibrief für das ganze Land."

Gute Anbindung an Jänschwalde

Klaus Hoff ist technischer und kaufmännischer Leiter der Procon GmbH in Cottbus, die den umstrittenen Solarpark plant (siehe Infobox). Er verweist auf eintausend Blatt Papier, die sich in seinem Büro stapeln. Alles Untersuchungen über Alternativstandorte und die Umweltverträglichkeit der Energiepark-Pläne. Sogar die Vereinbarkeit mit den besonders sensiblen europäischen Naturschutzgebieten (FFH) sei belegt, so Hoff.

"Das ist schon eine sehr große Anlage", räumt er ein, die aber mit 250 Megawatt installierter Leistung auch ordentlich Strom liefern könnte. Andere dafür geeignete Konversions-Flächen, die nicht bewaldet seien, gebe es nicht, versichert er.

Attraktiv ist der Standort auch wegen des nicht weit entfernten Braunkohlekraftwerks Jänsch walde und der damit verbundenen Infrastruktur. Hier gibt es ein Umspannwerk, über das große Strommengen ins Hochspannungsnetz gelangen können.

Als weiteres Argument für die Procon-Pläne führt Hoff die Energiestrategie Brandenburgs an. Um die darin enthaltenen Pläne für den Ausbau erneuerbarer Energie umzusetzen, müssten in den kommenden zehn Jahren rund 11 000 Hektar an Fotovoltaik-Anlagen errichtet werden.

Inzwischen sorgt der Plan für den Super-Solarpark auch im Landtag in Potsdam für Bewegung. Nicht nur der Cottbuser Abgeordnete Jürgen Maresch (Linke) hat dazu eine Anfrage an die Landesregierung gerichtet. Michael Jungclaus, Abgeordneter von Bündnis 90/Grüne und Vorsitzender des Umweltausschusses, brachte das Thema dort auf die Tagesordnung.

"Es gibt noch genug Dächer und Freiflächen für Fotovoltaik, dafür Bäume zu fällen ist Wahnsinn", sagt Jungclaus. Ähnlich kritisch sei die Stimmung bei anderen Mitgliedern im Umweltausschuss, parteiübergreifend. Das Versprechen, in 25 Jahren den Solarpark abzubauen und den Wald wieder aufzuforsten, bezeichnet der Grüne als "Taschenspielertrick". Auf diese Art könne man auch einen Autobahnbau damit entschuldigen, dass in hundert Jahren dort wieder Bäume gepflanzt würden.

Jungclaus warnt davor, dass mit der Absicht, für Solaranlagen großflächig Wald abzuholzen, dem Wandel hin zu erneuerbaren Energien ein "Bärendienst" erwiesen würde: "Damit kippt die Akzeptanz."

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Zum ThemaPlaner und InvestorenPlaner des neuen Solarparks im Norden der Lieberoser Heide ist die Procon GmbH in Cottbus.Die praktische Umsetzung soll durch die Juwi Solar GmbH aus Wörrstadt in Zusammenarbeit mit dem Solarmodulhersteller First Solar realisiert werden. Procon und Juwi haben zusammen in der Lieberoser Heide das bereits vorhandene Solarkraftwerk Turnow-Preilack errichtet.Finanziert werden solche Großprojekte der Solarbranche über Fonds. Anleger, die dort ihr Geld einbringen, können über die gesetzlich geregelte Förderung von Solaranlagen mit einer sicheren Rendite rechnen.Solaranlagen haben einen hohen Flächenverbrauch. Um die selbe Menge Strom zu erzeugen brauchen Fotovoltaikanlagen zwölfmal so viel Platz wie Windparks.