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Energietag nimmt Bund in die Pflicht

Cottbus. Die Wirtschaftsminister Gerber (Brandenburg) und Dulig (Sachsen) fordern in Cottbus: Fehler der Energiewende müssen korrigiert werden. Das sehen auch die Teilnehmer des Energietags Brandenburg an der BTU ähnlich. Christian Taubert

Es war der 19. Energietag Brandenburgs. Im renovierten Zentralen Hörsaalgebäude der BTU Cottbus-Senftenberg gab es keinen freien Klappstuhl mehr. Was hier beraten wurde, wollten mehr als 400 Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft aus erster Hand - auch stehend auf den Treppen - erfahren. Denn die energiepolitischen Erwartungen, die die Lausitz an die neue Bundesregierung hat, tangieren nahezu alle Lebensbereiche in der Region.

Da das große TV-Duell Merkel - Schulz am Abend zuvor die Energiepolitik komplett ausgelassen hatte, konnte der Energietag nachlegen. "Es geht darum, Fehlentwicklungen der Energiewende zu korrigieren", betonte Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, die mit dem Potsdamer Wirtschaftsministerium den Energietag veranstaltet. Krüger fügte hinzu, dass die Bundesregierung in der Pflicht sei, "verlässliche Rahmenbedingungen für die Wirtschaft in der Region zu schaffen".

Die IHK wie die Wirtschaftsminister Brandenburgs und Sachsens, Albrecht Gerber und Martin Dulig (beide SPD), setzen dabei auf die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Regionalentwicklung des Bundes. Sie ist Bestandteil des Klimaschutzplanes 2050 und soll 2018 aktiv werden. Ursprünglich war sie als Kohleausstiegs-Kommission angelegt. Doch vor allem das Lausitzer Revier hat sich dagegen gewehrt. "Jede Strukturveränderung im Ruhrgebiet ist mit Milliarden des Bundes begleitet worden. Wir lassen uns nicht mit Allmosen abspeisen", fordert Minister Dulig Fairness gegenüber der Region ein. Und er fügte hinzu, dass Brandenburg und Sachsen noch nie so eng zusammengearbeitet haben, wie gegenwärtig. Dulig: "Weil wir die gleichen Auffassungen von Industriepolitik haben."

Brandenburgs Energieminister Albrecht Gerber ließ den Bund unterdessen wissen, dass inzwischen 25 Milliarden Euro Umlage für Erneuerbare Energien nicht mehr länger von den Stromkunden getragen werden könnten. "Die Friseurin wird dadurch unverhältnismäßig stärker belastet als der gut verdienende Fondsmanager, der sein Geld in Windparks investiert. Das ist eine ungerechte Umverteilung." Gerber fordert vom Bund, die Umlage mittelfristig aus dem Bundeshaushalt zu begleichen. Und er macht klar, dass die Mammutaufgabe Energiewende mehr Mittel in die Erforschung von Speichern benötigt. "Zudem brauchen wir Technologieoffenheit", sagt Gerber.

An dieser Zukunft "baut" auch die gerade als "innovative Hochschule" gewürdigte BTU Cottbus-Senftenberg mit. Präsident Prof. Jörg Steinbach ermutigt die Wirtschaft, die BTU noch mehr als Anlaufpunkt für Ideen zu nutzen, aus denen letztlich Wertschöpfung entstehen soll. Und Leag-Vorstandschef Helmar Rendez schreibt dem Bund ins Stammbuch, dass er von der Strukturkommission "eine ehrliche Bestandsaufnahme mit ehrlichen Chancen für die Lausitz" erhofft..

Zum Thema:
In Cottbus wurde am Montag der Energieeffizienzpreis Brandenburgs verliehen. Preisträger sind: die Landbäckerei Röhrig Blankensee. Sie hat es seit 2001 geschafft, den CO-Ausstoß um 57 Prozent reduziert. Den Sonderpreis teilen sich die Stadtwerke und die Wohnungsbaugenossenschaft 1919 Bad Belzig. Ihr Hit: ein Blockheizkraftwerk mit einem Spitzenlastkessel. Der Kommunenpreis geht an den Landkreis Havelland für sein dreijähriges Klimaschutzprojekt, an dem sich elf Schulen mit 3500 Schülern, Lehrkräften und Hausmeistern beteiligten. Mehr: mwe.brandenburg.de