Die Fraktion der Linkspartei hält am Braunkohleausstieg bis spätestens 2040 fest und der Wirtschaftsminister des Landes Ralf Christoffers, Mitglied selbiger Fraktion, stellt ihn deutlich infrage und will sich alle Optionen offenhalten. Dieser schwer zu vermittelnde Widerspruch führt zu verhaltenem Lob der oppositionellen CDU für den linken Wirtschaftsminister.

Der energiepolitische Sprecher der Christdemokraten Steeven Bretz rügt die Landesregierung vor allem wegen der Verzögerungen bei der Vorlage einer neuen Energiestrategie, macht aber deutlich, dass er wesentliche Zielvorstellungen des Wirtschaftsministers teilt. Der Sprecher der Linkspartei, der Abgeordnete Thomas Domres, lobt ebenfalls ausdrücklich den politischen Gegner von der CDU. Er meint dort allerdings nicht die von Bretz vertretene Mehrheitsmeinung der CDU, sondern die Stimmen aus der Partei, die ebenfalls für ein Ende der Braunkohleverstromung eintreten.

Die oppositionelle FDP verweist wie die regierende SPD auf die Notwendigkeit einer sicheren und bezahlbaren Stromversorgung. Die Liberalen haben dabei vor allem die Industrie im Auge, die Sozialdemokraten reden vom Kunden, und beide Fraktionen lassen ebenfalls große Sympathien für den Kurs des Wirtschaftsministers erkennen.

Eine eindeutige Stellungnahme kommt vor allem von der kleinsten Fraktion, den Grünen. Sie verlangen nicht nur wie die Linken den Ausstieg aus der Braunkohle, sondern auch eine Politik der Landesregierung, die sich den damit verbundenen erheblichen Problemen für die Lausitz stellt.

Eine Veranstaltung der Initiative „pro Brandenburg“, die am Vorabend der Landtagsdebatte in der Brandenburger Vertretung in Berlin stattfand, verdeutliche allerdings, worin einige der maßgeblichen Akteure einen Ausweg aus den Widersprüchen sehen. Die Debatte dort, an der auch Vertreter des Energiekonzerns Vattenfall und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) teilnahmen, war bestimmt von hoffnungsfrohen Berichten über die Fortschritte bei einer effektiven Nutzung der erneuerbaren Energie.

Als Vertreter der vor allem in der Uckermark tätigen Firma Enertrag warb der frühere Staatssekretär Gerd Harms (SPD) dafür, die Möglichkeiten zu nutzen, die sich mit neuen Speichertechnologien insbesondere für Wind- und Solarenergie eröffnen. Die sind aus seiner Sicht vor allem mit dem aus Elektrolyse gewonnenen Wasserstoff verbunden. Enertrag hat dazu zusammen mit Vattenfall in einem Versuchskraftwerk in Prenzlau erste Investitionen getätigt.

Und in einem waren sich die Fachleute wie Matthias Klatt von der BTU und die Vertreter von Vattenfall einig: „Die Systeme, die jetzt unser System der Stromversorgung regeln, werden wir in solcher Bedeutung schon im Jahr 2030 nicht mehr haben.“ In der Landesvertretung, gewissermaßen auf neutralem Boden, ist inzwischen viel eher der Norden als der Süden des Landes die interessante Spielfläche für die Energiepolitik Brandenburgs.