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| 02:49 Uhr

Energie-Experte sieht Stromnetz-Sicherheit gefährdet

FOTO: © Thorsten Schier - Fotolia.com
Burg/Spreewald. Ein düsteres Bild über die Sicherheit des Stromnetzes hat das Cottbuser Unternehmen GridLab beim Wirtschaftsforum Brandenburg gezeichnet. Direktor Bernd Benser warnte am Montagabend in Burg vor dem Ernstfall. Jan Augustin

Den Appetit ließen sich die rund 70 Vertreter aus Wirtschaft und Politik am Montagabend nicht verderben. Im fast fertigen Spreewald Thermenhotel in Burg schmeckten Entenpralinen mit Mango und Kürbis, Ragout von Ochsenbacken, Fabergé vom Wachtelei. Alles regionale Produkte, fein und live angerichtet in der künftigen Hausküche.

Doch hätte dem einen oder anderen Gast, unter ihnen auch Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD), die Kartoffel durchaus im Hals stecken bleiben können bei den düsteren Bildern, die Bernd Benser in seinem halbstündigen Vortrag gezeichnet hat. Der Direktor der in Cottbus ansässigen GridLab GmbH sprach über die Systemsicherheit der Elektrizitätsnetze und warnte eindringlich vor einem Black-out.

Falls das Stromnetz zusammenbrechen würde, rechnet Benser "im schlimmsten aller Fälle mit mehr als 200 000 Toten". Der Grund: Rund 90 Prozent aller Kliniken könnten ihre Notstromversorgung maximal 24 Stunden aufrechterhalten. "Der Ernstfall kommt immer näher", glaubt Benser. "Wir stehen jeden zweiten Tag vor dem Black-out." Schuld habe die ungeplante Stromeinspeisung durch erneuerbare Energien. Windenergie werde eben auch dann ins Netz eingespeist, wenn keiner sie benötigt.

Benser warnt einerseits vor den Folgen eines Ausfalls. Andererseits kritisiert er fehlende Standards. "Es ist nirgendwo geregelt, was passieren muss und soll im Falle einer Krise. Es ist nirgendwo geregelt, welche Sprache denn gesprochen wird." Auch sei nicht klar, wer unter welchen Voraussetzungen ein für die Sicherheit Europas wichtiges System überhaupt führen dürfe.

Gegründet wurde GridLab GmbH im Jahr 2010. Der "GridLab-Systemtrainer" - ein Simulator - wurde in mehrjähriger Zusammenarbeit mit der BTU Cottbus und dem ostdeutschen Netzbetreiber 50 Hertz Transmission entwickelt. Mit ihm soll das Personal der Elektrizitätsversorger aus- und weitergebildet werden. Ziel sei die Etablierung eines europäischen Trainings- und Forschungszentrums für Energieversorgungs-Unternehmen und Netzbetreiber sowie die Entwicklung von Standards zur Krisenprävention und -behebung.

Für das Höchstspannungsübertragungsnetz in der Regelzone in Ostdeutschland ist die 50 Hertz Transmission GmbH verantwortlich. Herzstück ist das "Transmission Control Center" in Neuenhagen bei Berlin. In der Leitstelle wird das 9750 Kilometer lange Übertragungsnetz gesteuert und geregelt. Die Ingenieure dort sollen die Systemsicherheit überwachen, den Leistungsaustausch regeln und für einen optimalen Ausgleich bei der Einspeisung von Windenergie sorgen.