Timo Rost ist ein umsichtiger Kapitän. Der gebürtige Franke, der seit 2002 hier in Cottbus spielt, sorgt sich in diesen Tagen um fast alles – selbst um die gute Laune seiner Mitmenschen. Und so kommt es schon mal vor, dass Rost die Kiebitze und Journalisten beim FCE-Training freundlich darauf hinweist, bitteschön nicht so ein miesepetriges Gesicht zu machen. Die Mission ist klar: Optimismus zeigen, auch wenn die Situation nicht erst seit dem verpassten Heimsieg beim 1:1-Remis am Samstag gegen den 1. FC Nürnberg schwierig ist. Vehement wehrt sich Rost gegen die Einschätzung, Energie habe einen Fehlstart hingelegt. „Mit Blick auf die erreichten Punkte können wir sicher nicht zufrieden sein. Aber die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, sollte uns Mut machen. Von der Spielweise her haben wir einen großen Schritt nach vorn gemacht“ , betont der Kapitän.

Natürlich hört auch er die kritischen Stimmen, die ein Zurück zur Mauertaktik der vergangenen Saison fordern. Schließlich habe die ja dem FCE bereits nach 31 Spieltagen den Klassenerhalt beschert. „Der Weg, den wir eingeschlagen haben, ist der richtige Weg. Wir müssen ihn konsequent weitergehen“ , fordert Rost.
Der Kapitän liegt damit auf einer Linie mit seinem Cheftrainer. Auch Petrik Sander sieht „keinen Grund“ für einen grundlegenden Kurs wechsel. Zumal das neue System mit einem Stürmer und drei offensiven Mittelfeldspielern dahinter seiner Ansicht nach auch Interpretationsspielräume zulasse. „Auswärts werden wir das sicher etwas defensiver gestalten als zu Hause“ , betont Sander.
Zumal bereits in der Sommerpause die Weichen für den Systemwechsel gestellt wurden. Denn Energie rückte ab von der bisherigen Taktik des Zwei-Mann-Sturms, den in der vergangenen Saison meistens Francis Kioyo und Sergiu Radu bildeten. Stattdessen plante Sander nur noch mit einer Spitze (Kioyo), verstärkte aber im Gegenzug die Außenbahnen durch die Verpflichtung von Dennis Sörensen, Dimitar Rangelov und Efstathios Aloneftis. Auch die Namen Ervin Skela und Stanislav Angelov stehen für Fußball offensiver Prägung und gepflegtes Kurzpass-Spiel. Eine Rückkehr zu den Zeiten, in denen der Ball aus der Abwehr lang nach vorn geschlagen wurde, scheint schon allein beim Blick auf das Spielermaterial unangebracht.
Auch die Konkurrenz hat das Umdenken in Cottbus registriert. Nürnbergs Trainer Meyer lobte nach dem Remis im Stadion der Freundschaft die Spielstärke des Kontrahenten – solche Worte waren in der vergangenen Spielzeit aus dem Munde der FCE-Gegner nur selten zu vernehmen. Gleichwohl: Dieses Lob ist zwar schön, aber Lob UND Punkte gegen den Abstieg wären besser. Zumal es die nächsten Spiele in sich haben. Am Samstag in einer Woche reist Energie zum Deutschen Meister nach Stuttgart. Anschließend kommt mit dem VfL Wolfsburg eine Mannschaft nach Cottbus, die unbedingt bezwungen werden muss. Danach geht es zum Tabellenführer Bayern München.
Nach sechs Spieltagen werde man eine Zwischenbilanz ziehen, hatte Manager Steffen Heidrich schon vor dem Nürnberg-Spiel erklärt. Normalerweise ist das eine ganz normale Ankündigung und eigentlich nicht der Rede wert. Aber was ist vor dem Hintergrund der internen Machtkämpfe derzeit schon normal beim FCE? Noch hält die Wirkung des kürzlichen Friedens gipfels an. Kein Wunder, das auch Manager Steffen Heidrich bemüht ist, die zweifellos vorhandenen positiven Dinge aus den ersten vier Spielen hervorzuheben. „Wir haben die Qualität des Kaders definitiv erhöht. Sowohl in puncto Schnelligkeit als auch im Eins-gegen-Eins können wir mithalten. Einige Spieler liegen sogar über dem Bundesliga-Durchschnitt“ , sagt Heidrich. Und dennoch: Echte Freude kann erst dann aufkommen, wenn sich die dringend benötigten Erfolgserlebnisse einstellen. Oder wie es Heidrich ausdrückt: „Es müssen Punkte her. Das ist zwar brutal, aber die Wahrheit.“