Joseph Blatter sagt Adieu! In einer kurzen Rede formulierte er die Worte, die selbst im Sumpf der andauernden Korruptionsvorwürfe an seinen Verband niemand erwartet hatte: Der 79 Jahre alte Schweizer tritt als Präsident des Fußball-Weltverbandes zurück. "Ich habe ernsthaft über meine Präsidentschaft nachgedacht und über die vierzig Jahre, in denen mein Leben untrennbar mit der Fifa und diesem großartigen Sport verbunden gewesen ist", sagte Blatter in französischer Sprache. Durch die Wahl am vergangenen Freitag habe er noch einmal das Mandat durch die Fifa-Mitglieder bekommen, "aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht das Mandat der gesamten Fußball-Welt habe. "Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem außerordentlich Kongress niederzulegen."

Blatter wirkte gefasst, auch wenn die Tragweite dieser Entscheidung riesig ist. Kämpferisch hatte er sich noch bei seiner fünften Wiederwahl gegeben. Zuversichtlich wollte er ungeachtet der Festnahmen und Anklagen gegen hochrangige Funktionäre weitermachen. Dieser Skandal war nun aber doch zu viel. "Ich habe Domenico Scala gebeten, die Einführung und Umsetzung dieser Maßnahmen zu beaufsichtigen", erklärte Blatter - Scala ist Chef der Compliance-Kommission.

Sein Nachfolger als Fifa-Präsident soll voraussichtlich bei einem Sonderkongress des Weltverbands zwischen Dezember 2015 und März 2016 gewählt werden. Diesen Zeitraum nannte Scala nach Blatters Rücktrittsankündigung. Gemäß Statuten des Weltverbands seien mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig. Der nächste reguläre Fifa-Kongress ist erst für den 12. und 13. Mai 2016 in Mexiko-Stadt vorgesehen. Themen des Tages Seite 3