| 02:40 Uhr

Endlich wieder durchatmen

Die kleine Nino Beridze drei Tage nach der Operation in der HNO-Klinik mit ihrem Vater Davit Beridze, PD Dr. med. Michael Herzog, Chefarzt der HNO, Prof. Dr. med. habil. Thomas Eichhorn, ehemaliger HNO-Chefarzt sowie den georgischen Ärzten Teona Shalamberidze und Jemal Matchavariani (v.l.)
Die kleine Nino Beridze drei Tage nach der Operation in der HNO-Klinik mit ihrem Vater Davit Beridze, PD Dr. med. Michael Herzog, Chefarzt der HNO, Prof. Dr. med. habil. Thomas Eichhorn, ehemaliger HNO-Chefarzt sowie den georgischen Ärzten Teona Shalamberidze und Jemal Matchavariani (v.l.) FOTO: Carolin Bablich
Cottbus. Nur eine komplizierte Operation im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus konnte die siebenjährige Nino Beridze aus Georgien vor dem Erstickungstod retten. Daniela Kühn

In ihrer Heimat Georgien war der lebensrettende Eingriff leider nicht möglich. Am Nikolaustag 2016 wurde die siebenjährige Nino Beridze daher im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus operiert.

Bereits im September wurde das Mädchen Prof. Dr. med. habil. Thomas Eichhorn in der georgischen Hauptstadt Tiflis vorgestellt, wo der ehemalige Chefarzt der HNO-Klinik am Carl-Thiem-Klinikum mehrmals im Jahr ehrenamtlich operiert. "Zu diesem Zeitpunkt war sie sehr heiser und hatte Luftnot. Zuvor war Nino bereits zweimal von georgischen Kollegen operiert worden, leider ohne bleibenden Erfolg", erklärt Prof. Eichhorn.

Der komplette obere Teil des Kehlkopfes war bei dem Mädchen voller Papillome. Dabei handelt es sich um gutartige, durch HPV-Viren (Humanes Papillom Virus) verursachte Wucherungen, die mit Warzen vergleichbar sind und häufig an den Stimmlippen und den darüber liegenden Kehlkopfanteilen auftreten. Bedingt durch die ungünstige Lage stören die Papillome die Schwingungen der Stimmlippen und verursachen dadurch Heiserkeit. Bei fortschreitendem Wachstum können sie zudem zu Luftnot führen, was insbesondere bei Kindern durch den kleinen Kehlkopf und die kleine Stimmritze auftritt.

Prof. Eichhorn: "Die einzig wirksame Therapie war eine Operation. Jedoch war bei der OP vor Ort der Kehlkopf bereits so zugewachsen, dass schon kein Beatmungsschlauch mehr gelegt werden konnte. Diese Verwachsungen am Kehlkopf waren die Folge der vorherigen Eingriffe." Aber für eine größere OP war das Instrumentarium in Georgien nicht vorhanden.

Daher wurden für Nino und ihren Vater Reisepässe beantragt, damit sie in Cottbus operiert werden konnte. "Denn ohne den entsprechenden Eingriff hätte Nino nicht mehr lange Zeit gehabt. Sie hatte kaum noch einen Spalt mehr zum Atmen."

In einem komplizierten, rund dreistündigen Eingriff entfernten Prof. Eichhorn und PD Dr. med. Michael Herzog, Chefarzt der HNO-Klinik am Carl-Thiem-Klinikum, sowohl die Papillome am Kehlkopf als auch die Granulome (gutartige, knötchenförmige Ge webeneubildungen) in der Luftröhre bis hinab zur Abzweigung der Bronchien.

Um einen Rückfall zu verhindern, wurde ein sogenanntes Montgomery-T-Rohr bis hoch zum Kehlkopf eingesetzt. "Die besondere Problematik der Kehlkopfpapillome besteht darin, dass sich in der Regel trotz exakter operativer Abtragung dieser eigentlich harmlosen Gebilde im Kindesalter bereits nach wenigen Monaten wieder neue Papillome entwickeln, die danach zu wiederholten operativen Eingriffen Anlass geben. Durch das Einsetzen eines T-Röhrchens wurde die Verengung bei Nino überbrückt und der Luftweg freigehalten", erläutert Dr. Herzog. Für die Behandlungskosten kam der Verein "Gesundheit für den Kaukasus" auf.

Kurz nach der OP stellten sich bei dem georgischen Mädchen die ersten Erfolge ein. Sie bekam wieder Luft, konnte essen, trinken und sogar im Flüsterton sprechen. "Wir sind unendlich dankbar für alles", so Ninos Vater Davit Beridze. Eine Woche später ging es wieder zurück in ihre Heimat.

Bis zu ihrer Pubertät wird Nino alle Vierteljahre zum Wechsel des T-Röhrchens ins Carl-Thiem-Klinikum nach Cottbus zurückkehren. Aktuell geht es dem Mädchen gut. Vor wenigen Tagen bekam Prof. Eichhorn von Ninos Vater Fotos zugeschickt, die in Georgien über ein flexibles Endoskop aus der Luftröhre des Kindes aufgenommen wurden. Diese zeigen, dass die Atemwege derzeit komplett frei sind und damit kein Grund zur Beunruhigung besteht.

Zum Thema:
Privatdozent Dr. Michael Herzog ist Chefarzt der Klinik für HNO-Krankheiten, Kopf- und Halschirurgie am Carl-Thiem-Klinikum. Er ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und verfügt über Zusatzqualifikationen wie Medikamentöse Tumortherapie, Schlafmedizin, Plastische Operationen, spezielle Ultraschalldiagnostik und Tauchmedizin. Im August 2015 übernahm Dr. Herzog die Chefarztstelle von Prof. Thomas Eichhorn, der in den Ruhestand ging. Prof. Eichhorn war mehr als 20 Jahre Chefarzt der HNO-Klinik am CTK. Mit dem Verein "Gesundheit für den Kaukasus" ist er mit einem Team aus Ärzten und Schwestern in der Russischen Föderation und im südlich benachbarten Georgien humanitär tätig. DieKlinik für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie am CTK bietet das komplette operative Behandlungsspektrum des Fachgebietes. Alle gängigen Diagnostikmethoden und nicht-operativen Therapien gehören dazu. Die Schwerpunkte der Klinik liegen in der onkologisch-rekonstruktiven Tumorchirurgie, der endonasalen endoskopischen Nasennebenhöhlenchirurgie, der funktionellen und ästhetischen Nasenchirurgie, der Mittelohrchirurgie und der chirurgischen Therapie von Schnarchen und obstruktiver Schlafapnoe.

Zum Thema:
Mit rund 1200 Betten und etwa 2500 Mitarbeitern und Auszubildenden gehört das Carl-Thiem-Klinikum Cottbus zu den größten und leistungsfähigsten Krankenhäusern in Deutschland. Mehr als 10 000 Patienten werden pro Jahr stationär und/oder ambulant behandelt. Das CTK hat sich zu einem wichtigen Gesundheitszentrum und zum größten Maximalversorger Brandenburgs entwickelt und steht für eine ausgezeichnete umfassende medizinische Versorgung. Maximalversorger müssen im Rahmen des Bedarfs mit ihren Leistungsangeboten über Krankenhäuser der Schwerpunktversorgung wesentlich hinausgehen. Sie halten die entsprechenden hochdifferenzierten medizinisch-technischen Einrichtungen vor.