Sieg teuer erkauft?

Doch der vermeintliche Sieg könnte teuer erkauft sein. Nach SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles, die in der Union vor allem wegen der Rente mit 63 und dem Mindestlohn in Ungnade gefallen war, ist nun auch Schwesig endgültig zur Reizfigur geworden. Neue aufwendige Vorhaben wollen ihr die C-Parteien jetzt erst recht nicht mehr durchgehen lassen.

Zwei Stunden wurde beim Koalitionsausschuss im Kanzleramt über die Quote gestritten. Länger ging es um kein anderes Thema.

Im Kern ist es bei Schwesigs Modell geblieben. Demnach soll in den Aufsichtsräten von 108 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen ab 2016 eine starre Frauenquote von 30 Prozent gelten. Ausnahmen, wie von der Union gefordert, gibt es nicht. Wird keine geeignete Frau gefunden, muss der Posten unbesetzt bleiben.

Als Entgegenkommen an die Union soll die Frauenquote auf der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zusammen berechnet werden. Überdies müssen sich 3500 mittelgroße Unternehmen ab 500 Mitarbeitern, die mitbestimmungspflichtig oder börsennotiert sind, ab 2015 eigene Zielvorgaben beim Frauenanteil in den Führungsetagen setzen. Diese können nicht nachträglich nach unten korrigiert werden.

Alle fünf Jahre soll der Stand veröffentlicht werden. Schaffen die Firmen ihre Ziele nicht, soll sozusagen die öffentliche Debatte darüber Strafe genug sein für die Unternehmen.

Kauder gab den letzten Anstoß

Viel kämpfen und manches einstecken musste Schwesig in den vergangenen Monaten, um dieses Ergebnis vorstellen zu können. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann lobte die 40-Jährige im Bundestag als "starke Frauenministerin". Sie kann sich aber auch bei jemandem bedanken, der sie in den vergangenen Wochen mehrfach gerüffelt hat: ausgerechnet bei Unionsfraktionschef Volker Kauder. In Berlin wurde nämlich von mehreren Seiten kolportiert, dass seine Zuspitzung, die Familienministerin sei mit Blick auf die Quote "weinerlich", geholfen habe, das Projekt durchzudrücken.

Die Empörung darüber sei bei den Befürwortern groß gewesen. "Das hat den letzten Schwung gegeben", hieß es. Und auch die Kanzlerin soll nicht amüsiert gewesen sein über Kauders Verbalattacke. Steht die Quote doch im Koalitionsvertrag - und Merkel im Wort bei der SPD.

Dennoch: Einfacher wird es für die Frau aus Mecklenburg-Vorpommern nicht. Für viele in der Union ist sie jetzt ein dunkelrotes Tuch. Ihre Pläne seien stets "mit gewaltigem, bürokratischem Aufwand" zulasten der Wirtschaft verbunden, hieß es. Wie schon beim Elterngeldplus-Gesetz und den Regelungen zur Familienpflegezeit. Die Kritik kam allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Denn die Unionsführung hatte dem Vernehmen nach Kritiker in den eigenen Reihen aufgefordert, sich angesichts der Einigung im Kanzleramt mit weiteren Querschüssen zurückzuhalten. Um des Koalitionsfriedens willen.