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Ende des Verbrennungsmotors?

Elektro- statt Sprittankstellen sollen in Zukunft das Bild in den Städten prägen.
Elektro- statt Sprittankstellen sollen in Zukunft das Bild in den Städten prägen. FOTO: dpa
Berlin/Paris. Die Energiewende muss gerettet, die Verkehrswende eingeleitet werden. Die Zukunft heißt Elektromobilität – Benzin- und Dieselmotoren sind Auslaufmodelle, so sagen es zumindest die Grünen. Auf dem Pariser Autosalon ringen die Hersteller um Antworten. Sebastian Kunigkeit und Annika Grah

Die Grünen wollen die Elektromobilität voranbringen und von 2030 an keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren mehr neu zulassen. Das fordert der Bundesvorstand in einem Antrag für den Bundesparteitag der Grünen im November in Münster. "Immer mehr Autos weltweit sind eine der größten Bedrohungen für das Klima und für die menschliche Gesundheit", heißt es in dem Papier. Nach Ansicht der Grünen ist die notwendige "Verkehrswende" auch im Interesse der Industrie. Die deutschen Autobauer hätten sich mit dem Festhalten am Verbrennungsmotor in eine Sackgasse manövriert. Bei der Herstellung von Elektromobilen hätten Autobauer aus China, Japan und den USA großen Vorsprung. Der Skandal um gefälschte Diesel-Abgaswerte müsse ein "Weckruf" für die Industrie sein, schneller auf die Elektromobilität umzuschalten. "Seit Dieselgate und Klimaabkommen in Paris ist klar: Der Verbrennungsmotor ist ein Auslaufmodell. Der Umstieg auf klimafreundliche Elektromobilität, angetrieben durch erneuerbare Energien, ist überfällig", sagt Parteichefin Simone Peter. Grünen- Fraktionschef Anton Hofreiter sagte der "Berliner Zeitung": "Die deutsche Autoindustrie muss raus aus der Dieselfalle."

Der Verband der Automobilindustrie reagierte kritisch: Die Initiative sei weder klimapolitisch, industriepolitisch noch sozialpolitisch sinnvoll. "Das geht auf keinen Fall, und das geht in keinem Industrieland der Welt", sagte ein VDA-Sprecher. Selbst Unternehmen, die sich ambitionierte Ziele zur Elektromobilität setzten, gingen davon aus, dass 2030 noch zwei Drittel der Neuwagen mit Verbrennungs- oder Hybridmotoren fahren werden.

Auch die SPD ging auf Distanz zu dem Vorstoß der Grünen. "Die Politik sollte sich davor hüten, zeitliche Vorgaben zu machen", sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Martin Burkert (SPD), den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Wenige Tage vor dem Pariser Autosalon war die Innenstadt der französischen Hauptstadt fast komplett in der Hand von Fußgängern und Radfahrern: Beim autofreien Sonntag wurden 650 Kilometer Straße für den Verkehr gesperrt. Die jährliche Aktion soll vorführen, dass Paris auch ohne Autos funktioniert - ein Symbol, den Autoverkehr zurückzudrängen. Und darüber hinaus für einen generellen Trend zu weniger Abgasen, der alle Autohersteller unter Druck setzt.

Neue Konzpete für E-Autos

Auf dem Messegelände an der Porte de Versailles scheint es fast so, als hätte die Branche auf das Signal reagiert. Elektroautos sind in diesem Jahr das beherrschende Thema. Daimler, Volkswagen und Renault stellten Konzepte für reichweitenstarke Elektroautos vor, Opel verlängert die Ausdauer seines Ampera-e, und BMW will Elektromotoren künftig nicht mehr nur in die i-Modelle einbauen.

Umweltbewusstsein gefordert

Das werde auch Zeit, sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Daniel Moser. "Der Verkehrssektor hat in den letzten 20 Jahren nichts zum Umweltschutz beigetragen." Daten des Umweltbundesamtes zeigen, dass der Anteil des Straßenverkehrs an den produzierten Treibhausgasen in Deutschland seit 1990 im Gegensatz zur Industrie gestiegen ist. Dabei könnten die Autos schon heute deutlich effizienter sein, sagt Moser - etwa durch Leichtbau oder kleinere Motoren. Das Konzept des "Downsizing" setzt sich in der Branche zwar langsam durch. Nach wie vor sind aber klobige Stadt-Geländewagen der Verkaufsschlager schlechthin.

"Die Verbrauchsoptimierung durch Leichtbau ist erstaunlich", sagt auch Peter Fuß, Autoexperte der Beratungsfirma EY. Daneben spiele die Entwicklung von Getrieben und eine verfeinerte Start-Stop-Automatik eine große Rolle. Hinzu kommen weitere Verbesserungen: Der Autozulieferer Bosch stellte jüngst eine Technologie zur Wassereinspritzung vor, mit der bis zu 13 Prozent Kraftstoff eingespart werden sollen.

Das wird auch nötig sein. Die EU-Kommission denkt schon jetzt über strengere Abgas-Messverfahren für Neufahrzeuge nach und peilt strengere Tests für Herbst 2017 an.