Eine Million Euro wurden der Uni angeboten, um damit zwei Stiftungsprofessuren an der Juristischen Fakultät einzurichten. Dafür haben 50 sächsische Rechtsanwaltskanzleien, Notariate, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer zusammengelegt.

Stark gemacht hatten sich die sieben Dresdner Landtagsabgeordneten der CDU - und von ihnen gerade die Anwälte. Wie Christian Piwarz, der 41-Jährige hat selbst in Dresden Jura studiert. Piwarz sieht in der privatwirtschaftlichen Initiative der Juristen den Beleg, dass "Dresden für die Juristenausbildung ein guter und notwendiger Standort ist".

Das sieht die CDU im Freistaat Sachsen indes anders. Sie knipste 2003 der juristischen Staatsexamensausbildung in Dresden das Licht aus. Übrig blieben der Bachelorstudiengang "Law in Context" und der Masterstudiengang "Wirtschaftsrecht". Aber eben nur auf Zeit.

Die Kürzung vollenden will nun die SPD-Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange. Sie will das Studienfach an der Universität Leipzig konzentrieren - und in Dresden abschaffen. So sieht es Stanges Entwurf zur Hochschulentwicklungsplanung vor, der seit Mitte März auf dem Tisch liegt. Fünf Professoren sollen dafür mittelfristig von Dresden nach Leipzig umziehen.

Der CDU-Abgeordnete und Rechtsanwalt Martin Modschiedler hält das für keine gute Idee, schließlich "steigt künftig der Bedarf an Richtern, Staatsanwälten und Juristen". Derzeit hat die Juristische Fakultät der TU Dresden neun Professoren - darunter auch Stanges Amtsvorgängerin Sabine von Schorlemer (parteilos), die sich mit internationalen Beziehungen befasst.

Überhaupt hat Jura an Sachsens größter Uni eine Reihe von prominenten Unterstützern unter Politikern und Ehemaligen. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich für den Erhalt ausgesprochen, er unterrichtet an der Fakultät als Honorarprofessor. Weil es aber vor allen Honorarprofessoren aus CDU-Kreisen sind, die sich gegen die Reform stemmen, sieht man im Wissenschaftsministerium keinen Bedarf zum Grübeln.

Auch an der TU selbst nicht. Dort lobt man das Angebot der 50 Stifter zwar als "großartig und absolut begrüßenswert" - lehnt aber dankend ab. Der Traum, wieder Staatsexamen in Dresden anzubieten, kommt mit zwei Stiftungsprofessuren nicht weit, lässt die Uni in einer Stellungnahme wissen. Zumal die angebotene Million für fünf Jahre angelegt ist. Danach müsste das Haus selbst weiterzahlen. Dafür aber fehlt der TU Dresden das Interesse.

Ein Umbau in Jura könnte "im schlimmsten Fall auch die Chancen in der nächsten Runde der Exzellenzinitiative schmälern". Denn dann müssten anderswo Stellen gespart werden. Warum also nicht gleich die Stiftungsprofessuren in Leipzig einrichten? Schließlich könnten dort "umgehend deutlich mehr Studierende immatrikuliert und zum dort angebotenen Juristischen Staatsexamen geführt werden", schlägt die TU Dresden vor.