Und eine CDU-Vorsitzende Angela Merkel, die für ihren unkonservativen Kurs in den eigenen Reihen in der Kritik steht. Seit Längerem erlebt die Union tolle Tage - von denen nun keiner mehr etwas wissen will. Nichts ist entschieden, dafür alles vertagt, und Schuld ist die SPD. So lässt sich der neue Burgfrieden der Schwesterparteien zusammenfassen. Zum Beispiel beim Thema Mehrwertsteuer: Wegen des Koalitionspartners sei eine Senkung nicht zu machen, sagte Seehofer am Montag. Deshalb sehe er vor der Bundestagswahl keine realistische Chance mehr, seine Forderung zu verwirklichen. Dass auch Kanzlerin und CDU dagegen sind, verschwieg er. Nun soll eine Mehrwertsteuerreform Teil des "gesamten Steuerpaketes" der Union zur Bundestagswahl werden. Seehofer hat gemerkt, dass die CDU-Führung zunehmend allergisch auf die andauernde Kritik und Besserwisserei aus Bayern reagiert. Denn nicht zuletzt das ist auch ein Grund dafür, warum die Union derzeit in den Umfragen nicht sonderlich gut dasteht. Es habe "sehr große Einigkeit" gegeben, erklärte Merkel nach der Sitzung ihrer Parteispitze. Dem Vernehmen nach habe sie "unter Applaus" darauf hingewiesen, dass ein Streit der Schwesterparteien niemandem nütze. Es gebe zwar in einer Volkspartei immer unterschiedliche Akzente. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir das im Wahlkampf miteinander bündeln werden", betonte sie anschließend. Ganz die Moderatorin. Der unionsinterne Zwist hat bislang vor allem der SPD Aufwind gegeben. CSU-Chef Seehofer treibe Woche für Woche "neue Säue durchs Dorf", was man mit nur "nervöser Gefallsucht" erklären könne, stichelte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil am Montag weiter. "Wir haben eine gute und starke Kanzlerin", lobt nun Seehofer. Merkel weiß, dass der Treueschwur nicht lange halten wird. Zu oft hat der Bayer schon seine Positionen überraschend gewechselt, um sich daheim zu profilieren. Am Thema Europa scheiden sich momentan die Geister: Die CDU hält die Forderung der CSU nach direkten Volksentscheiden bei wichtigen EU-Entscheidungen für falsch. Die Bayern indes wollen damit im Wahlkampf Stimmung machen. Beim "Europakongress" der CDU am Montag in Berlin wurde dem noch einmal eine Absage erteilt.