Dieser Neuanfang ist ganz offensichtlich eng verbunden mit den jüngsten politischen Initiativen der brandenburgischen Landesregierung zu einer Richtungsänderung in der Regionalpolitik. Szymanski hat deswegen zu Beginn der Veranstaltung auch noch einmal ausdrücklich auf die Aussagen von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) verwiesen, wonach Berlin der "Glücksfall" Brandenburgs sei und das Land vielfältig von der Metropole in seiner Mitte profitiere und dies in Zukunft auch noch stärker die Politik des Landes bestimmen soll. Dies führe dann etwa dazu, dass die bisherige "Diskriminierung" des Berliner Umlands in der Wirtschaftsförderung beendet werde, so Szymanski.

Anwesende Politiker für die Fusion
Es soll in den nächsten Wochen und Monaten eine Diskussion vorangetrieben werden, die die brandenburgischen Initiativen und die Berliner Politik wesentlich enger verzahnt. Dass von den anwesenden brandenburgischen Politikern keiner die Fusion der Länder auch nur ansatzweise infrage stellte, passt zu dieser Suche nach Gemeinsamkeiten. Selbst Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD), der sich gerade mit seinem Berliner Kollegen öffentlich um den Parlamentssitz "prügelt", ließ keinen Zweifel daran, dass die Länderfusion kommen soll. Fritsch verkörperte allerdings ansonsten den einzigen Skeptiker beim Aufbruch zur neu definierten Hauptstadtregion. "Jeder Veränderung steht man ja erst mal mit Misstrauen gegenüber", meinte er stellvertretend für alle anderen die märkischen Bedenkenträger.

Hauptstadt spielt in der dritten Liga
Berlins Senatsbaudirektor Hans Stim mann (SPD), der Landrat von Teltow- Fläming, Peer Giesecke (SPD) wie auch der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), Martin Patzelt (CDU), sie alle haben mit der Profilierung der gesamten Region als moderne Metropole keine Probleme. Patzelt sagt, er wolle, dass Berlin mit dabei sei bei der Bestimmung dessen, was in der Peripherie des Landes geschehen soll. Stimmann wiederum will alle am gleichen Strang, weil er um die Schwächen seiner Stadt weiß und die Hilfe des Umlandes gut tut.
Derzeit spiele die deutsche Hauptstadt in der dritten Liga der europäischen Metropolen, zusammen mit Warschau oder Wien, ganz weit entfernt von Paris und London, aber auch weit hinter Mailand beispielsweise. Der Aufstieg sei nur möglich, wenn aus den Erfolgsgeschichten anderer auch Konsequenzen gezogen würden. Deswegen auch haben der Senat und die Potsdamer Landesregierung mit einer solchen Fachkonferenz die Diskussion um ein neues Leitbild eingeleitet.
Eingeladen waren Vertreter aus London, Mailand, Kopenhagen, Wien und Warschau. Bei allen Unterschieden waren in den Vorstellungen aus den fünf Wachstumsregionen doch viele Gemeinsamkeiten erkennbar. So wird überall großer Wert auf eine vernetzte, gut ausgebaute Hochschullandschaft gelegt. So spielen überall ein effizient organisierter öffentlicher Nahverkehr und ein gut ausgebautes Straßennetz eine große Rolle. Wachstum entsteht demnach auch vor allem durch Zuzug - in London etwa durch die Immigration sehr vieler Polen.
Insbesondere die Vertreter aus der Region Kopenhagen-Malmö-Lund sagten auch einiges über die Möglichkeiten, die mit dem wirtschaftlichen Wachstum des Kerns einer Region für die Peripherie entstünden. Es sei eben keinesfalls so, dass jeder mit seinen Investitionen in die Innenstädte wolle. Landrat Giesecke und Oberbürgermeister Patzelt sehen genau darin die Chancen für Brandenburg. Unabdingbar seien allerdings exzellente Verkehrsverbindungen. Deswegen auch habe Teltow-Fläming aus eigenen Töpfen den Ausbau der B 101 zu einer vierspurigen Schnellstraße mitfinanziert. Das helfe heute auch den Teilen des Landkreises, die in einiger Entfernung zu Berlin liegen, so Giesecke.

Beginn einer Diskussion
Mit der Konferenz soll jetzt eine intensive Diskussion in Berlin wie in Brandenburg über die gemeinsamen Ziele beginnen. Bis zum Sommer will man in einer Reihe weiterer, zum Teil auch regionaler Veranstaltungen damit fertig sein - um abschließend konkrete politische Schritte einzuleiten.