Nach jahrzehntelanger Eiszeit schlagen die USA und Kuba ein neues Kapitel ihrer diplomatischen Beziehungen auf. In Havanna soll in den kommenden Monaten wieder eine US-Botschaft eröffnet werden, zudem sollen einige Beschränkungen beim Handel und bei Finanzgeschäften teilweise aufgehoben werden, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter am gestrigen Mittwoch. Das Weiße Haus sprach von einem "historischen Schritt". US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Amtskollege Raúl Castro hatten am Dienstag erstmals miteinander telefoniert.

Beide Staaten unterhalten seit mehr als 50 Jahren keine diplomatischen Beziehungen. Die USA überzogen den Karibikstaat nach der Machtübernahme Fidel Castros mit einem scharfen Wirtschafts- und Handelsembargo, unter anderem weil Kuba das Eigentum amerikanischer Unternehmen auf der Insel verstaatlichte. 1961 versuchte mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA eine Söldnertruppe von Exilkubanern, das Regime zu stürzen. Kubas Revolutionsarmee schlug die Invasion in der Schweinebucht zurück.

Komplett aufgehoben sind das scharfe Wirtschafts- und Handelsembargo gegen den sozialistischen Inselstaat sowie bestehende Reisebeschränkungen mit den nun angekündigten Schritten nicht. Aufheben kann diese nur der US-Kongress. Da dies jedoch nicht absehbar sei, habe Obama entschieden, in dem ihm möglichen Rahmen allein zu handeln, sagte der Regierungsbeamte.

Teil der Abmachung zwischen Washington und Havanna war ein Austausch des vor fünf Jahren in Kuba verhafteten Amerikaners Alan Gross gegen die drei verbliebenen Gefangenen der sogenannten Cuban Five in den USA. Sie waren 1998 als Teil eines kubanischen Spionagerings in den USA zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Zwei Agenten haben ihre Strafen inzwischen verbüßt. Kuba hatte der US-Administration mehrfach einen Gefangenenaustausch angeboten. Gross landete nach übereinstimmenden Berichten am Mittwoch in den USA.

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Kuba ist eines der letzten Bollwerke des Kommunismus. Seit 2008 setzt der Karibikstaat eine langsame marktwirtschaftliche Öffnung in Gang. Der Inselstaat ist mehr als 110 000 Quadratkilometern groß und hat etwa elf Millionen Einwohner. Bei Urlaubern ist die größte Karibikinsel vor allem wegen ihres Flairs beliebt. Das tropische Klima und die weißen Strände ziehen jährlich rund 2,8 Millionen Touristen an. Rund 2,1 Millionen Menschen leben in der Hauptstadt Havanna. Zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen Kubas gehören neben dem Tourismus die Spirituosen- und Tabakindustrie. dpa/bl