"Das ist sicherlich weniger der Duktus der Kanzlerin", sagte Vize-Regierungssprecherin Sabine Heimbach am Freitag in Berlin und fügte hinzu: "Es ist sicher individuell unterschiedlich, die Sprachführung, die da jeder wählt." Aus der SPD kam die Forderung nach einer Entschuldigung. Grüne und Linke warfen dem FDP-Chef Gefährdung des sozialen Friedens vor. Gewerkschaften und Sozialverbände sprachen von einer Diffamierung von Millionen Langzeitarbeitslosen.Westerwelle hatte erklärt, die Debatte um Langzeitarbeitslose trage "sozialistische Züge". Nach dem Karlsruher Hartz-IV-Urteil hatte er in einem Zeitungsartikel zudem beklagt, es scheine in Deutschland "nur noch Bezieher von Steuergeld" zu geben, aber "niemanden, der das alles erarbeitet". Wer "anstrengungslosen Wohlstand" verspreche, lade zu "spätrömischer Dekadenz ein".Trotz Kritik bekräftigte der Außenminister, man dürfe nicht nur auf diejenigen sehen, die auch in Zukunft Solidarität brauchen. Vielmehr müsse auch auf die geachtet werden, "die dies alles erarbeiten". Dies müsse gesagt werden dürfen. Zu seiner Wortwahl sagte er: "Ich spreche die Sprache, die verstanden wird."Westerwelle betonte: "Wenn man in Deutschland schon dafür angegriffen wird, dass derjenige, der arbeitet, mehr haben muss als derjenige, der nicht arbeitet, dann ist das geistiger Sozialismus." Nach Meinung von FDP-Generalsekretär Christian Lindner hat Westerwelle eine Debatte über Fairness angestoßen. Die Kritiker gefährdeten Solidarität in der Gesellschaft.Auf Abstand ging auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Von der Leyen sagte zur Frage, ob Deutschland nach dem Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts auf dem Weg in die Dekadenz sei: "Nein im Gegenteil". Es zeige sich, dass das seit 60 Jahren erprobte Zusammenspiel zwischen politischem Gestaltungsraum und Leitplanken, die das Gericht immer wieder gebe, "auch fortwährend den Sozialstaat weiterentwickelt".Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn, der angesichts schlechter FDP-Umfragewerte Westerwelle kritisiert hatte, stellte sich hinter ihn und sagte: Anscheinend müsse mit etwas drastischeren Worten deutlich gemacht werden, "dass man nicht immer denen, die geduldig Steuern zahlen, noch neue Abgaben oder neue Lasten aufbürdet." dpa/ab