Bahnmitarbeiter und Landespolitiker haben mit Empörung auf einen Zeitungsbericht reagiert, wonach das endgültige Aus des Bahnwerks Eberswalde beschlossen sein soll. „Es muss jetzt dringend von der Deutschen Bahn Klarheit geschaffen werden“, sagte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) am Dienstag. Der Chef des Werksbetriebsrats, Ulf Böhnke, erklärte zu dem Artikel der „Märkischen Oderzeitung“ (Dienstagausgabe): „Wenn das so ist, dann wäre das eine Schweinerei.“ Die Mitarbeiter des Instandhaltungswerks seien „entrüstet“. Die Deutsche Bahn (DB) verwies indes darauf, dass es noch keine endgültige Entscheidung gebe.

Ein DB-Sprecher sagte am Dienstag: „Es gibt keinen neuen Stand. Die Gespräche laufen noch.“ Eigentlich sollte schon bis Ende Oktober klar sein, ob die Verhandlungen mit einem potenziellen Investor erfolgreich waren. Der Betriebsrat reagierte in den vergangenen Wochen auf die Hängepartie zunehmend verärgert, mittwochs gab es Mahnwachen vor dem Instandhaltungswerk für Güterwaggons. Böhnke zufolge war eigentlich vorgesehen, dass sich die DB-Spitze mit dem Betriebsrat am 11. Dezember trifft, um über die Bahnwerk-Zukunft zu informieren.

Wirtschaftsminister Gerber sagte weiter: „Der Eindruck verstärkt sich, dass es der Deutschen Bahn mehr um Marktbereinigung als um die Zukunftssicherung des Standorts Eberwalde geht.“ Seit Wochen fanden dem Ministerium zufolge keine Verkaufsverhandlungen mehr statt.

Auch im Landtag in Potsdam hagelte es am Dienstag Kritik am Bahnkonzern. Linken-Fraktionschef Ralf Christoffers sagte: „Ich kann keine betriebswirtschaftlichen Gründe für eine Schließung erkennen.“ Die Bahn habe auch eine strukturpolitische Verantwortung für die Region. SPD-Fraktionschef Klaus Ness betonte: „Von der Bahn würde ich als Bundesunternehmen ein anderes Verhalten erwarten. Eine Schließung des Bahnwerkes, des größten Arbeitgebers von Eberswalde, wäre ein herber Schlag für die Stadt.“

Vor mehr als einem Jahr hatte die Bahn angekündigt, das Instandhaltungswerk im Landkreis Barnim schließen zu wollen. Dort arbeiten etwa 360 Menschen. Als Grund wurde ein Rückgang der Instandhaltungsleistungen genannt. Später kam dann ein möglicher Investor ins Spiel.