Gospelkonzert, Weihnachtsoratorium, Theater in der Kirche - die Veranstaltungen der evangelischen Gemeinde in Bad Liebenwerda sind fester Bestandteil des kulturellen Kurstadt-Lebens. Ein Name, der dabei immer wieder auftaucht, ist der von Dorothea Voigt.
Zielstrebig, verlässlich und unkompliziert, so beschreibt Pfarrer Thomas Meißner die Kantorin. „Sie hat die Konsumenten immer im Blick und stellt sich vor, wie ein Lied auf die Leute wirkt.“ Ihr sei es wichtig, dass die Zuhörer die Texte verstehen, erklärt Dorothea Voigt. Wer Musik als reine Unterhaltung sucht, wird bei ihr nicht fündig. „Ich möchte emotionale Erlebnisse schaffen.“ Nicht umsonst sei sie Kirchenmusikerin geworden. Ihre Botschaft: „Der Glaube kann mein und dein Leben bereichern.“
Kunst, Mensch und Glaube. Alle drei Aspekte prägen Voigts Arbeit. Entspannt sitzt sie auf der schattigen Terrasse ihres Hauses in Bad Liebenwerda. Die blonden Locken ruhen auf ihren Schultern. Liegt ihrer Arbeit ein Leitmotiv zugrunde? Dorothea Voigt überlegt einen Moment. „Wie kann der Glaube mir helfen, das Leben zu meistern, auch wenn es mir gerade nicht so gut geht“ , erklärt sie dann. Die Musik sei das Medium, mit dem sie die Menschen auf der Gefühlsebene erreiche. Vor allem den Chormitgliedern geben die Projekte viel, sagt sie. „Sie haben das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.“ Das bestätigt Christa Hopstock. Die 61-Jährige singt seit 1976 in dem Chor. „Deshalb bin ich Mitglied“ , sagt sie. Dorothea Voigt sei ehrlich, freundlich und konsequent im Umgang mit den Sängern. „Sie hat alle Eigenschaften, die für den Verkündigungsdienst wichtig sind“ , unterstreicht Christa Hopstock.
„Etwas mit Musik machen“ , in einer christlichen Gemeinde, so stellte sich Voigt als Jugendliche ihren Beruf vor. Mit 13 Jahren entschied sie sich, neben dem Geigenunterricht noch Klavier- und Orgelspiel zu lernen. In Halle absolvierte sie schließlich ein Kirchenmusik-Studium. Nach der Geburt der ersten Tochter konnte Dorothea Voigt dann neben Schwiegervater Dieter, der bis 2000 Kirchenmusiker in Bad Liebenwerda war, nach und nach in den Beruf einsteigen.
Neben Veranstaltungen gestaltet sie mit dem Chor Gottesdienste sowie Auftritte in Altersheimen oder zu besonderen Anlässen wie dem Diakonischen Tag. Daneben engagiert sich die Kantorin in der Konfirmandenarbeit. Obwohl das nicht zu ihrem Aufgabenbereich gehört.
Ehemann Markus zieht immer mit, dafür ist die Kirchenmusikerin dankbar. „Ich könnte das alles alleine nicht stemmen.“ Auch die Schwiegereltern sind fest in die musikalische Gestaltung eingebunden. Schwiegermutter Gitta widmet sich beispielsweise seit Jahren der Organisation einer Konzertreihe. „Und der Schwiegervater wirkt aus dem Hintergrund“ , beschreibt Pfarrer Meißner. Zusätzlich unterstützen viele ehrenamtliche Helfer.
Bei dem Gedanken, als „Heldin“ bezeichnet zu werden, ist der Kantorin deshalb etwas unwohl. Leute, die sich um Pflegebedürftige kümmern oder um den gebrechlichen Nachbarn, das seien Helden des Alltags, erklärt sie. „Ich bekomme Geld für etwas, das mir Spaß macht“ , sagt Dorothea Voigt und lächelt. Aufführungen seien für sie große Erfolgserlebnisse. „Das Publikum klatscht, Zuhörer bedanken sich. So viel Resonanz bekommen nicht viele in ihrem Beruf.“

Steckbrief In Erfolgen steckt Kraft
Geboren am 6. März 1965 in Cottbus.
Familie: Ehemann Markus, Kinder Maria (18), Annalisa (16), Rafael (11).
Beruf: Kirchenmusikerin.
Größte Niederlage: Misserfolge gibt es immer wieder, daraus lernt man.
Größter Erfolg: Erfolgserlebnisse geben mir Kraft, weiterzumachen.
Zuletzt geärgert hat mich die Unordnung auf meinem Schreibtisch.
Zuletzt gefreut habe ich mich darüber, dass wir eine so schöne Umgebung haben - eine Radtour nach Zeischa ist wie Urlaub.
Wenn ich einen Wunsch frei hätte. . . hätte ich gern 'ne Tüte Zeit.
Lebensmotto: Ich mache meine Arbeit so gut wie möglich, weiß aber, dass ich nicht perfekt bin und möchte deshalb auch Geduld mit den Schwächen anderer haben.
Vorbilder: Viele.
Was ich noch sagen wollte: Jeden Tag einmal daran denken, was alles geschenkt ist und sich darüber freuen, das finde ich wichtig! Gerade angesichts der vielen Probleme nicht vergessen, dass es uns in Deutschland weit besser geht als den meisten Menschen in der Welt.