Schaaf wechselt sie zunächst täglich ein, bis das Tauben-Team, bestehend aus geschätzten 50 Ringeltauben, aufgibt. Der Trainer ist zuversichtlich, dass seine Jagd-Taktik aufgeht. „Die Tauben werden das Stadion als Territorium aufgeben, weil die Jagd meiner Falken für sie zu viel Stress ist.“
Schaaf ist hauptamtlich Falkner im Deutschen Falkenorden, den der Stadionbetreiber ZSL im Kampf gegen den sich häufenden Taubenkot um Hilfe gebeten hat. „Seit Wiedereröffnung des umgebauten Zentralstadions im Jahr 2004 gibt es Probleme mit Taubenkot“, sagt ZSL-Sprecher Ronny Weber. „Aber in den vergangenen Monaten hat der Dreck gravierend zugenommen. Vielleicht zieht die Tauben hier etwas magisch an.“
Mit ihrem aggressiven Kot verschmutzen die ungeliebten Vögel die Gänge, die Stahlkonstruktion und Stühle, derzeit rund 600 Hartschalenstühle. Für Stadionbesucher besteht außerdem eine Gesundheitsgefahr, weil der Vogelkot Infektionskrankheiten übertragen kann. „Das optische und hygienische Problem ist akut geworden“, sagt Weber. Pro Reinigungsgang werden 2000 Euro fällig. Nun zahlt er erstmal 2000 Euro für die Wanderfalken-Brüder und das Ortungsgerät des Falkners.
Die Idee mit der Verpflichtung von Greifvögeln ist nicht neu. Im Mainzer Stadion wurden Flügelschläge und Alarmruf der Falken über die Beschallungsanlage verbreitet. „Das hat bei uns aber leider nicht funktioniert“, sagt Weber. Deshalb kopierten die Leipziger das Kölner „Konzept der Taubenvergrämung“, das dort erfolgreich lief.
Der Leipziger Falkner will das Zentralstadion als Trainingsstätte für seine Greifvögel nutzen, was aber Nebenwirkungen hat. „Das sind Tiere, die in Gefangenschaft leben, die sollen auch in Gefangenschaft bleiben. Die Gefahr besteht, dass sie nicht zurückkommen.“ Würgfalken und Steppenadler kommen in den Steppen Osteuropas und Asiens vor. Auch in der Flora und Fauna im benachbarten Auenwald könnten sie Beute entdecken. „Die Greifvögel können das Stadion kurzfristig verlassen, wenn sie da was finden.“ Schließlich hinterlassen auch sie selbst Kot im Stadion: Einer von ihnen verspeiste allein in der Stunde, in der Schaaf seine Jäger vorstellte, sieben Küken.