Zeit müsste man haben. So hat wohl jeder schon mal geseufzt. Am meisten die Eltern. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung des Statistischen Bundesamtes in Zusammenarbeit mit dem Bundesfamilienministerium haben vor allem berufstätige Mütter und Väter das ungute Gefühl, sich nicht genügend um ihre Kinder kümmern zu können.

Der Statistik zufolge wünscht sich jede fünfte Mutter und jeder dritte Vater mehr Zeit für den Nachwuchs. Immerhin jeder zweite Vater würde lieber weniger Zeit im Job verbringen. Das sagt von sich aber nur jede vierte berufstätige Mutter.

Dahinter steckt der weit verbreitete Wunsch nach einer partnerschaftlichen Aufteilung der Kinderbetreuung, wie er auch schon in zahlreichen früheren Studien deutlich geworden war. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus.

"Mütter wenden mit einer Stunde und 45 Minuten pro Tag etwa doppelt so viel Zeit für die reine Kinderbetreuung auf wie Väter mit 51 Minuten", erklärte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler. Dies wiederum lässt sich auf die unterschiedliche Art der Erwerbstätigkeit beider Geschlechter zurückführen. Nach einer kürzlich veröffentlichten Allensbach-Untersuchung waren vor der Geburt des ersten Kindes bei bundesweit 71 Prozent der Paare beide Partner in Vollzeit erwerbstätig. Nach der Geburt galt das nur noch für 15 Prozent.

Bei mehr als der Hälfte der Paare mit kleinen Kindern war nach der Elternzeit in den meisten Fällen nur noch der Mann voll im Job, während die Frau in Teilzeit beschäftigt war.

Dafür gibt es eine einfache Erklärung. In der Regel habe dieses Modell "rein monetäre Gründe", weil der Vater mehr verdiene als die Mutter, sagte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD). Aus ihrer Sicht zeigen die aktuellen Daten jedoch einmal mehr, dass Eltern weder den Vollzeitjob im Doppelpack bevorzugen, um Beruf und Familie unter einen Hut zu kriegen, noch den Alleinverdiener-Haushalt, in dem sich nur die Frau um die Ki++nder kümmert.

Gewünscht würden vielmehr Arbeitszeiten in einem Korridor zwischen 33 Stunden bei Müttern und etwa 38 Stunden bei Vätern - womit sich die Sozialdemokratin auch in ihrer alten Forderung nach Einführung einer Familienarbeitszeit bestätigt fühlt. Schwesigs Ursprungsmodell sah dazu eine 32-Stunden-Woche für Mütter und Väter vor, wobei ein Teil des Lohnausfalls aus Steuermitteln zu finanzieren wäre. In der Großen Koalition konnte sich die Ministerin bislang damit allerdings nicht durchsetzen.

In den Ergebnissen der jüngsten Studie sehe sie aber einen "klaren politischen Handlungsauftrag, die Familienarbeitszeit weiterzuverfolgen", erklärte Schwesig.

Kleiner Trost für gestresste Eltern: Zumindest nach der Statistik hat sich an der Dauer der Freizeit seit der Jahrtausendwende kaum etwas geändert. Durchschnittlich fast sechs Stunden täglich verbringen die Bundesbürger nach wie vor mit Fernsehen, Lesen, Musikhören und anderen Hobbys. Der Zeitaufwand für persönliche Kontakte und Geselligkeit ist in den vergangenen elf Jahren allerdings etwas gesunken. Dafür ist man länger in der virtuellen Welt unterwegs, also im Internet. Im Vergleich zu den Jahren 2001 und 2002 hat sich die tägliche Nutzungsdauer von Computer und Smartphone bei allen Personen ab zehn Jahren im Schnitt von 18 auf 33 Minuten erhöht. Das ist ein Zuwachs um mehr als 80 Prozent.