Obwohl sie vom Landgericht Cottbus wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurden (die RUNDSCHAU berichtete), können sie bis zur Rechtskraft des Urteils beruhigt spazieren gehen. Das Oberlandesgericht (OLG) hat die Entscheidung des Cottbuser Schwurgerichts, das den Erlass von Haftbefehlen abgelehnt hatte, bestätigt. Eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft wies der 2. Strafsenat ab.
Nun ist der Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig am Zuge. Dort haben die Verteidiger der Eltern Revision gegen die lebenslange Verurteilung ihrer Mandanten eingelegt. Bis zu einer BGH-Entscheidung können Monate vergehen. Noch liegt die schriftliche Urteilsbegründung des Cottbuser Gerichts nicht vor. Guido Schmidt, der Falk B. verteidigt, rechnet damit „in den nächsten vier bis fünf Wochen“ . Erst ab Zugang des schriftlichen Urteils laufe die Frist für die Darlegung der Revisionsgründe beim BGH, so Schmidt. „Das muss dann innerhalb von vier Wochen geschehen.“
Wolfgang Bauch, brandenburgischer Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), befürchtet, dass die Strafsache von Angelika und Falk B. nun nicht mehr mit besonderer Eile behandelt wird. Er hoffe, dass der Fall Dennis nicht „im Stapel unerledigter Strafsachen verschwindet“ . „Der Bevölkerung ist das nicht zu vermitteln“ , so BDK-Chef Bauch.
Für Rechtsanwalt Schmidt hat das OLG „die einzig richtige und vernünftige Entscheidung“ getroffen. „Jeder Tag, der vergeht, gibt den Gerichten Recht“ , sagt Schmidt. Wie OLG-Sprecher Simon Welten gegenüber der RUNDSCHAU erklärte, habe der 2. Strafsenat „keine Anzeichen für Fluchtgefahr“ erkannt. Beide Eltern seien seit Juli 2004 auf freiem Fuß und hätten sich auch dann noch dem Verfahren gestellt, als der Tatvorwurf im Januar 2006 von Totschlag auf Mord erweitert wurde. „Auch bei schwerer Kriminalität muss es einen besonderen Grund für Untersuchungshaft geben, die nur der Sicherung des Verfahrens dient und keine vorgezogene Strafhaft ist“ , sagte Welten. Zudem sei wegen der persönlichen Lebensumstände der Eltern auch künftig nicht mit einer Flucht zu rechnen.
Angelika und Falk B. leben mit drei volljährigen Söhnen in einer Cottbuser Wohnung. Ihre vier minderjährigen Kinder sind in einem Heim untergebracht. Diese dürfen sie nur unter Aufsicht besuchen.