Als Pfarrerin Ellen Radtke nach einem Unfall plötzlich im Krankenhaus lag, war beiden klar: Jetzt muss etwas Offizielles her. Sobald es möglich war, gingen sie zum Standesamt. Der Beamte fragte, wann es so weit sein soll. Sie antworteten: am besten sofort. So erzählt es die 31-Jährige heute und berührt dabei leicht die Schulter ihrer Frau Stefanie. Manchmal schauen die beiden ein ander so an, dass man ahnt: Für Ellen und Stefanie Radtke ist es die große Liebe.

Beide haben lange in Berlin gewohnt. Dort ist es alltäglich, wenn sich zwei Männer küssen oder Frauen zusammen Kinder erziehen. Dann zogen sie nach Brandenburg, aufs Dorf.

Auf dem Klingelschild des Pfarramts Golzow-Planeburg steht ihr gemeinsamer Name. Nein, nicht Schwestern, mussten sie am Anfang manchmal erklären. Ein Paar. Beide haben sich beruflich für die evangelische Kirche entschieden. Die eine ist Pfarrerin, die andere Vikarin, also in der Ausbildung. Was beide aber bislang nicht können: kirchlich ganz genau so heiraten wie heterosexuelle Paare.

Das könnte sich nun ändern. Die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ((Ekbo)) tagt seit gestern zu diesem Thema. Bisher sieht die Kirche für schwule und lesbische Paare, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, eine mögliche Segnung vor. Keinen Traugottesdienst, der mit einer Eheschließung zwischen Mann und Frau verwechselt werden könnte.

Mit der Segnung habe man etwas schaffen wollen, das immer noch weit genug weg gewesen sei von der heterosexuellen Trauung, sagt Ellen Radtke. "So haben wir es zumindest immer empfunden." Rein theologisch sei der Segen das Zentrale, aber es gebe äußere Unterschiede: keine Eintragung ins Kirchenbuch, kein Ringwechsel. Diese Unterschiede könnten nun aufgehoben werden.

"Menschen in unserer Kirche erleben sachlich unbegründete Abstandsgebote und eine Diskriminierung", sagte der Propst der Ekbo, Christian Stäblein. "Es muss um unser aller Willen darum gehen, dass wir das ändern." Es gebe keinen Grund dafür, Menschen wegen ihrer sexuellen Prägung auszuschließen. "Der Gesetzgeber unterscheidet Ehe und Partnerschaft", sagte der Superintendent von Gransee, Uwe Simon, in der Debatte. Daran käme man nicht vorbei. "Aber als Kirche können wir, was unsere Gottesdienste betrifft, einen Schritt weitergehen."

Im Vorfeld der Synode hatten rund 20 Kirchengemeinden aus Brandenburg gegen die Befassung des Kirchenparlaments mit dem Thema protestiert. Ihre Anträge, die Einführung der Trauung für gleichgeschlechtliche Paare wieder von der Tagesordnung zu nehmen, wurden jedoch nicht auf die Tagesordnung genommen. Eingeführt werden soll allerdings eine Ausnahmeregelung, wonach Pfarrer und Gemeindekirchenräte nicht gezwungen werden, an einer Trauung gleichgeschlechtlicher Paare mitzuwirken.

Für Ellen und Stefanie Radtke bedeuten solche Ausnahmen, dass ihre Beziehung in der Kirche immer noch nicht gleichgestellt wird. Sie sagen, sie könnten damit leben, dass jeder Pfarrer nach seinem Gewissen entscheiden soll. Aber solange es einem Gemeindekirchenrat möglich wäre, die Kirche für homosexuelle Traugottesdienste zu sperren, wollten sie nicht vor den Altar treten.

Die beiden haben sich nach dem Unfall vor mehr als drei Jahren schnell entschieden, eine Lebenspartnerschaft einzugehen. Niemand habe davon gewusst. Manche seien sauer gewesen, dass sie still und heimlich ihre Beziehung besiegelt hätten, ohne große Feier. Die beiden holen ein Fotobuch heraus, man sieht zwei Selfies, die sie nach dem Standesamt geknipst haben. Und die ausgedruckten Glückwunsch-Kommentare von Facebook. Die letzte Seite im Album ist noch frei.