Damit geht es erstmals vor einem Gericht auch um Schmiergeldzahlungen Anfang der 90er-Jahre im Zusammenhang mit dem Kauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie. Denn unter den Angeklagten ist der CDU-nahe Dieter Holzer, der als eine der Schlüsselfiguren beim Leuna-Verkauf 1992 an Elf gilt. In Deutschland wurden Ermittlungen gegen ihn eingestellt.
In den 45 Jahren seit dem Beginn der 5. Republik hat Frankreich keinen Prozess erlebt, der dem Ausmaß dieses Polit-Finanzskandals mit 183 Millionen Euro an veruntreuten Geldern gerecht werden soll. Knapp vier Monate soll das Verfahren um die weit verzweigte Elf-Affäre der Jahre 1989 bis 1993 vor dem Strafgericht dauern. Leuna kommt dabei an drei Tagen Ende April zur Sprache.
Dem Verfahren gingen achteinhalb Jahre mit umfangreichen Ermittlungen voraus. Drei Untersuchungsrichter legten einen Aktenberg mit 45 000 Seiten an.
Mit dem Prozess kommen auch die etwa 39 Millionen Euro an mutmaßlichen Provisionszahlungen für den Kauf der Leuna-Raffinerie zur Sprache. Neben dem Deutschen Holzer steht der 83-jährige französische Vermittler André Guelfi vor Gericht, der mithalf, dem Leuna-Geschäft den Weg zu ebnen.
Die Raffinerie wurde 1992 an den damals staatlichen Elf-Konzern verkauft. Auch der Spion Pierre Lethier - noch immer auf der Flucht - war Vermittler in dem Leuna-Geschäft. Die Spuren verliefen bis zu Ex-Kanzler Helmut Kohls Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Ludwig Holger Pfahls, den Deutschland wegen der Waffenverkäufe an Saudi-Arabien suchen lässt. (dpa/kr)