Mitten im "Silicon Saxony" startete mit großem Pomp das weltweit erste Werk, in dem Plastic Logic seine extrem schlanken, leichten und robusten Kunststoffdisplays in Serie fertigen wird. Die E-Papers kommen künftig in neuen Lesegeräten zum Einsatz, die zumindest das professionelle Durchwühlen von Zeitungen und Büchern, von Akten und Noten revolutionieren könnte. Das elektronische Gerät ist so groß wie ein Din-A4-Blatt, sieben Millimeter dick, 350 Gramm leicht und mit Speicherplatz für Zehntausende Seiten ausgestattet. Die Batterien sollen wochenlang halten. Auf Farbdarstellung wird zunächst verzichtet, da die Zielgruppe vor allem Geschäftskunden sind.

Auf den Markt kommen soll das neue Gerät Mitte nächsten Jahres, über den genauen Termin hüllt sich Archuleta jedoch ebenso in Schweigen wie über den Kaufpreis. Von 200 bis 600 Euro ist in der Branche die Rede. Gefüttert wird der Mischling aus Computerbildschirm und Papier wahlweise via Kabel oder drahtloser Verbindung. Beim Lesen kann der Nutzer mit Bildschirmtasten in den Dokumenten Schlüsselworte unterstreichen, Anmerkungen machen oder elektronische Klebezettel anbringen. Archuleta spricht ganz unbescheiden vom "Start einer neuen Revolution".

Derzeit 80 Arbeitsplätze Völliges Neuland betritt Plastic Logic freilich nicht. Auch Buchhändler Amazon und Elektronikreise Sony haben erste "E-Books" im Angebot. Archuleta macht aber einen großen Unterschied: Seine Lesegeräte kommen ohne herkömmliche Bildschirme aus Glas und ohne klassische Halbleiter aus Silizium aus. Die neuartige Technologie basiert auf einer biegsamen, elektronischen Kunststofffolie, die selbst bei Stößen und Stürzen robust sei.

An der rund 100 Millionen Euro teuren, vollautomatisierten Produktionsstätte arbeiten bisher 80 Fachkräfte, nächstes Jahr sollen es bis zu 140 Mitarbeiter werden. Eingesetzt würden für die robotergestütze Produktion vor allem hochqualifizierte Fachleute wie Softwareingenieure und Prozessentwickler. Sie sollen Stückzahlen von mehreren Hunderttausend Displays im Jahr produzieren. Das Herzstück wird dann in den USA mit einem Rahmen und der nötigen Elektronik ausgestattet. "Wir hatten hier die sehr seltene Chance, in einen vollkommen neuen Halbleiter aus Plastik zu investieren", begründet Investor und Aufsichtsratsmitglied Hermann Hauser sein Engagement.

Infrastruktur als Standortvorteil"Die Erfolgsgeschichte wird weitere internationale Unternehmen ins ,Silicon Saxony‘ ziehen", sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Und Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) schwärmte: "Von Dresden aus wird die Bildschirmtechnik revolutioniert." Tatsächlich hätten neben den Fördermitteln von EU, Bund und Land auch die gute Infrastruktur, das hohe Niveau der Forschungslandschaft und die schnelle und zuverlässige Unterstützung der Stadt den Ausschlag für Dresden gegeben, erklärt der Geschäftsführer des deutschen Standortes, Konrad Herre.

Die europäische Mikroelektronik-Hochburg Dresden dürfte mit der Ansiedlung um ein neues Flaggschiff reicher sein. Seinen Hauptsitz und die Vermarktung will das Unternehmen jedoch in Kalifornien belassen und die Entwicklung am Gründungsstandort an der Universität Cambridge weiter vorantreiben.