Eigentlich müsste der russische Trucker wissen, dass er gerade etwas Verbotenes tut: Seit Anfang März gibt es auf der Autobahn in Richtung Grenze zwischen der Auffahrt Friedersdorf und der Einmündung zum ehemaligen Vorstauplatz bei Frankfurt ein Überholverbot für Transporter über 3,5 Tonnen. Schließlich gilt die Trasse inzwischen als eine der gefährlichsten im Land Brandenburg. "Die entsprechenden Verkehrsschilder sind nicht zu übersehen", erklärt Dietmar Noffke, Chef der Autobahn-Polizei des Schutzbereiches Oder-Spree, "rausreden kann sich hinterher keiner". Schließlich sei das Verkehrszeichen international festgelegt und rechts sowie links der Fahrbahn extra in Augenhöhe der Brummi-Fahrer angebracht.
Der russische Verkehrssünder hat Glück, das er bei seinem verbotenen Überholmanöver nicht von der Autobahnpolizei ertappt wurde. Ansonsten hätte er 65 Euro Bußgeld berappen müssen, gerade für osteuropäische Trucker ein großer Batzen Geld, wie der Autobahn-Polizeichef bestätigt. Mit vier Videoüberwachungswagen sind 75 Beamte rund um die Uhr auf der A 12 unterwegs, um die Einhaltung des neuen Verbotes in dem 45 Kilometer langen Abschnitt zu kontrollieren. Die Aufzeichnung der Verstöße per Videokamera gilt als bester Beweis. Zeitweise ist auch ein Hubschrauber unterwegs, um aus der Luft ein Auge auf Verkehrssünder zu haben.
Mehr als 90 Verstöße gegen das Brummi-Überholverbot wurden laut Noffke in den ersten acht Tagen bereits geahndet. "Wir stoppen ertappte Lkw-Fahrer nicht direkt auf der Autobahn, das wäre aufgrund des zu schmalen oder ganz fehlenden Standstreifens zu gefährlich", erzählt Polizeiobermeister Norbert Kruschel, der gemeinsam mit einem Kollegen in einem unscheinbaren, grauen Zivilwagen auf Kontrollfahrt ist. Werden beide Zeugen eines Verkehrsfrevels, schalten sie das Videogerät ein, das mit einer winzigen Kamera am Rückspiegel und einer weiteren an der Heckscheibe des Wagens verbunden ist. Dann fahren sie vorbei, setzen sich vor den verbotenen Überholer und schalten die Digitalanzeige "Polizei, Folgen" ein.
Die beiden Autobahn-Polizisten bitten Brummifahrer auch zur Kasse, wenn sie den Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Auto unterschreiten, schneller als mit 80 Stundenkilometern unterwegs sind, Lenk- und Ruhezeiten nicht einhalten oder sichtbar technische Mängel an den Fahrzeugen haben. Bei mehreren Verstößen kann sich das Bußgeld so schnell auf bis zu 250 Euro summieren. "Dass wir konsequent durchgreifen, hat sich unter den Fahrern herumgesprochen, zumindest tagsüber bleiben die meisten auf der rechten Spur", betont Polizeiobermeister Kruschel. Vor allem nachts, wenn sich Trucker unbeobachtet fühlen und kaum Pkw-Verkehr auf der Strecke sei, herrsche regelrecht Krieg auf der A 12, berichten Augenzeugen. Da werde gerast und riskant überholt, was das Zeug hält.
"Auf dieser Autobahn ist alles möglich", bestätigt Noffke, "wir resignieren aber trotzdem nicht". Der personalintensive Polizeisondereinsatz auf der A 12 soll zunächst bis Ende des Monats fortgesetzt werden.

Hintergrund Brummi-Überholverbot
 Bereits Ende nächster Woche kommt auf die kontrollierenden Beamten an der A 12 noch mehr Arbeit zu. Bis dahin sollen auch die Lkw-Überholverbotsschilder in Richtung Berlin aufgestellt sein. Insgesamt gilt das Brummi-Überholverbot zunächst bis Ende Januar 2007. In der Zwischenzeit will das Landesamt für Straßenwesen überprüfen, ob diese Maßnahme tatsächlich zu größerer Verkehrssicherheit auf der inzwischen schon als Todespiste verrufenen A 12 führt.